Der Begriff Standort (engl. location) bezeichnet in der Werkstoffforschung primär den räumlichen Kontext, in dem Materialien entwickelt, charakterisiert oder eingesetzt werden. Dieser Kontext beeinflusst sowohl die experimentellen Randbedingungen als auch die Bewertung der Einsatzbedingungen von Werkstoffen.
In der experimentellen Praxis beschreibt der Standort eines Labors oder Forschungszentrums (z. B. ein Cluster wie in Dresden) den Zugang zu Großgeräten, spezifischen Infrastrukturen (z. B. Synchrotronstrahlung, Hochfeldmagneten) und interdisziplinären Netzwerken. Diese Faktoren determinieren, welche Charakterisierungsmethoden, Prozesstechnologien und Validierungsumgebungen verfügbar sind und damit auch die erreichbare Präzision und Bandbreite wissenschaftlicher Ergebnisse.
Im Anwendungskontext bezeichnet Standort die reale Einsatzumgebung eines Werkstoffs, etwa in Kraftwerken, Luft- und Raumfahrt, Halbleiterfertigung oder biomedizinischer Technik. Lokale Temperatur-, Feuchte-, Strahlungs- oder chemische Expositionsprofile definieren die standortabhängige Beanspruchungs- und Degradationshistorie eines Materials. Die Übertragbarkeit von Laborergebnissen auf reale Standorte erfordert daher standortspezifische Modellierung, skalenübergreifende Simulation und häufig auch standortbezogene Langzeitmessungen.
Im Plural Standorte (locations) verweist der Begriff auf die Notwendigkeit, materialspezifische Daten und Modelle über verschiedene Umgebungen, Produktionslinien oder Anwendungsfelder hinweg zu vergleichen. Multi-Standort-Studien ermöglichen die Quantifizierung von Standortvariabilität, die Absicherung von Design-Margen und die Entwicklung robuster, ortsunabhängiger Werkstoffkonzepte.
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