Mapping bezeichnet in den Materialwissenschaften die systematische Zuordnung physikalischer, chemischer oder struktureller Größen zu Raum-, Zeit- oder Zustandskoordinaten. Formal entspricht dies einer Abbildung zwischen einer Domäne (z.B. Orts- oder Reziprokraum) und einem Wertebereich (z.B. Härte, Orientierung, Dehnung), häufig repräsentiert als skalare oder tensorielle Felder.
Experimentell umfasst Mapping u.a. Elementkarten (z.B. mittels EDX oder XPS), Härteabbildungen (Nanoindentations-Arrays), Oberflächenabbildungen (AFM, 3D-Profiler) sowie 3D-Orientierungsmapping (EBSD, 3D-EBSD, Diffraction Contrast Tomography). Nanoskalige Dehnungsabbildung mittels Nano-Beugung oder 4D-STEM erweitert dies auf lokale Spannungs- und Dehnungszustände. Im Reziprokraum liefern z.B. Beugungsexperimente reziprokraumaufgelöste Maps von Textur, Eigenspannungen oder Fehlordnungen.
In der Modellierung bezeichnen Mappings u.a. die Datenzuordnung zwischen Skalen oder Diskretisierungen, etwa bei FE-Mikrostrukturkopplung, sowie Backmapping-Verfahren, bei denen koarse Modelle (z.B. Phasenfeld, Kontinuums-FE) auf feinere Repräsentationen (z.B. diskrete Versetzungen, Atomsimulationen) zurückgeführt werden. Mechanismus-Karten stellen ein spezielles Mapping im Parameterraum (z.B. Spannung–Temperatur–Korngröße) auf dominierende Deformations- oder Schädigungsmechanismen dar.
Methodisch kritisch sind Abtastdichte, Messunsicherheit, Regularisierung und Interpolationsverfahren, da diese die physikalische Interpretierbarkeit der Maps bestimmen. Fortschritte in hochdimensionalem Mapping und korrelativer Mikroskopie erfordern robuste Datenfusion und Unsicherheitsquantifizierung, um aus heterogenen Mappings konsistente, quantitativ belastbare Werkstoffbeschreibungen abzuleiten.
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