Digitale Marktplätze im Kontext der Werkstofftechnik sind überwiegend B2B-Plattformen, auf denen Unternehmen Werkstoffe, Halbzeuge, Anlagen und Dienstleistungen standardisiert anbieten, suchen und handeln. Im Unterschied zu klassischen Vertriebskanälen bündeln Marktplätze Angebote vieler Anbieter, stellen strukturierte technische Daten bereit und ermöglichen eine direkte, häufig automatisierte Vergleichbarkeit von Werkstoffeigenschaften, Zertifizierungen und Preisen.
Für Wissenschaftler und Entwicklungsabteilungen sind insbesondere Funktionen relevant, die den Zugriff auf normierte Werkstoffdaten (z. B. chemische Zusammensetzung, mechanische Kennwerte, Temperatur- und Korrosionsverhalten) erlauben und diese mit Verfügbarkeits- und Lieferketteninformationen verknüpfen. Moderne Plattformen integrieren dazu Datenbanken, Konfiguratoren, Simulationsschnittstellen oder digitale Materialpässe.
Technisch basieren Marktplätze auf standardisierten Datenmodellen und Schnittstellen (APIs), um CAD/CAE-Systeme, ERP und Laborinformationssysteme anzubinden. Für Qualitätssicherung spielen die digitale Verwaltung von Prüfzeugnissen, Rückverfolgbarkeit (Traceability) und Compliance (z. B. REACH, RoHS) eine zentrale Rolle.
Herausforderungen liegen in der Harmonisierung von Werkstoffbezeichnungen und Normen, dem Schutz von vertraulichen Prozess- und Rezepturdaten sowie in Fragen der Datenhoheit. Perspektivisch sind Marktplätze ein Schlüsselbaustein für „Materials as a Service“, KI-gestützte Werkstoffauswahl und eine zirkuläre Wertschöpfung, in der Primärwerkstoffe, Rezyklate und Sekundärrohstoffe gemeinsam gehandelt und bewertet werden.
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