Ein Mikrograph ist eine mit optischen oder elektronischen Mikroskopen erzeugte bildliche Darstellung der Mikrostruktur eines Werkstoffs. Mikrographien sind zentrale Werkzeuge zur Korrelation von Gefüge, Herstellungsprozess und makroskopischen Eigenschaften.
Die Erstellung einer Mikrographie erfordert eine definierte Probenpräparation. Typischerweise umfasst diese das Einbetten, Schleifen und Polieren der Probe, gefolgt von einem geeigneten Ätzverfahren, um Korngrenzen, Phasenverteilung und Defekte kontrastreich sichtbar zu machen. Fehler in der Präparation (z.B. Einbringung von Verformungszonen, Zug- oder Riefen) können die Interpretation der Mikrostruktur erheblich verfälschen.
Mikrographien werden in unterschiedlichen Vergrößerungsbereichen aufgenommen, von der lichtmikroskopischen Anzeige der Korngrößenverteilung bis hin zur hochauflösenden Darstellung von Versetzungen und Ausscheidungen im Raster- oder Transmissionselektronenmikroskop. Häufig werden Maßstabsbalken und Orientierungsangaben integriert, um quantitative Auswertungen (z.B. Korngrößenanalyse nach ASTM, Phasenanteilbestimmung, Porositätsanalyse) zu ermöglichen.
In der metallischen Werkstoffkunde dienen Mikrographien u.a. zur Charakterisierung von Wärmebehandlungen, zur Untersuchung von Schädigungsmechanismen (Rissausbreitung, Ermüdung, Kriechen) sowie zur Qualitätssicherung von Schweißnähten und Gussstrukturen. In Keramiken und Polymeren erlauben sie die Analyse von Korngrenzphasen, Füllstoffverteilung und Grenzflächenhaftung. Die reproduzierbare Aufnahme und dokumentierte Auswertung von Mikrographien ist essenziell für die werkstoffwissenschaftliche Forschung und industrielle Werkstoffprüfung.
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