Assays zur Charakterisierung von Werkstoffen und biologischen Systemen

In den Material- und Lebenswissenschaften bezeichnet der Begriff Assay ein strukturiert definiertes Test- oder Analyseverfahren zur quantitativen oder qualitativen Bestimmung spezifischer Eigenschaften, Moleküle oder Funktionen. Assays zeichnen sich durch validierte Protokolle, Kontrollbedingungen und statistisch auswertbare Endpunkte aus. Sie dienen u. a. der Bestimmung von Konzentrationen, Aktivitätsniveaus, Toxizität, Bindungsaffinitäten oder mechanistischen Effekten.

Im Kontext bioaktiver Materialien werden Assays typischerweise eingesetzt, um Zellantworten (z. B. Proliferation, Apoptose, Differenzierung) und Biokompatibilität zu erfassen. Zellviabilitäts‑Assays (z. B. MTT-, WST-, Resazurin-Assays) quantifizieren metabolische Aktivität als Surrogat für Zellüberleben auf oder in Kontakt mit einem Werkstoff. Mikrobiologische Tests prüfen antimikrobielle Oberflächen oder Beschichtungen, etwa über Hemmhofdurchmesser oder Koloniezahlen.

Immunoassays nutzen spezifische Antikörper–Antigen‑Wechselwirkungen zur Detektion von Proteinen, Degradationsprodukten oder Kontaminanten, z. B. zur Überwachung von Freisetzungsprofilen aus Drug‑Delivery‑Systemen. Aptamerassays verfolgen ein analoges Prinzip mit Nukleinsäure‑Aptameren als Erkennungselementen und eignen sich besonders für hochselektive Sensorik auf Materialoberflächen.

Wesentliche Qualitätskriterien von Assays sind Sensitivität, Spezifität, Nachweis‑ und Bestimmungsgrenzen, Reproduzierbarkeit und Robustheit gegenüber Störgrößen (Matrixeffekte, Adsorption an Oberflächen). Für die materialspezifische Anwendung ist eine sorgfältige Validierung erforderlich, da Werkstoffe selbst Assays beeinflussen können, etwa durch Lichtabsorption, Fluoreszenz, Sorption von Analyten oder Katalyse von Reaktionen.

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