In den Materialwissenschaften bezeichnet der Begriff Ursprung beziehungsweise Origin die Gesamtheit der physikalischen, chemischen und prozessbedingten Faktoren, aus denen die Eigenschaften eines Werkstoffs hervorgehen. Anders als der rein geographische oder historische Begriff der Herkunft fokussiert der wissenschaftliche Ursprung auf die zugrunde liegenden Mechanismen der Entstehung und Veränderung von Materialien über verschiedene Längenskalen.
Auf atomarer Ebene umfasst der Ursprung eines Werkstoffs seine chemische Zusammensetzung, Bindungsarten und elektronische Struktur. Auf der mesoskopischen und mikroskopischen Skala bestimmen Defekte, Korngrenzen, Phasenverteilungen und Texturen maßgeblich den Ursprung mechanischer, thermischer und funktionaler Eigenschaften. Auf der makroskopischen Ebene gehören Herstellungsroute, Prozessparameter (z. B. Abkühlgeschwindigkeit, Umformgrad, Atmosphäre) sowie nachfolgende Wärme- und Oberflächenbehandlungen zum Eigenschaftsursprung.
In der Werkstoffcharakterisierung ist die Rekonstruktion dieser Origins zentral, um Struktur-Eigenschafts-Beziehungen zu verstehen und gezielt einzustellen. Konzepte wie processing–structure–properties–performance beschreiben diese Kausalkette formal. Moderne Methoden wie in-situ-Synchrotronexperimente, Atomsondentomographie oder Computermaterialwissenschaft (z. B. DFT, Phasenfeldmodelle) dienen dazu, die mehrskaligen Ursprünge von Gefügeentwicklung und Degradationsmechanismen (z. B. Korrosion, Ermüdung) quantitativ zu erfassen. Die präzise Analyse der Origins eines Werkstoffs ist damit Grundlage für rationales Werkstoffdesign und die Vorhersage der Langzeitperformance.
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