Parameter bezeichnen in der Werkstofftechnik und -modellierung Größen, die das Verhalten eines Systems beschreiben, ohne selbst primär interessierende Zustandsvariablen zu sein. Sie treten in konstitutiven Gleichungen, kinetischen Modellen oder Prozessbeschreibungen auf und legen z.B. die Charakteristik von Deformations-, Schädigungs- oder Diffusionsprozessen fest.
In der Prozessführung umfasst der Begriff insbesondere Prozessparameter wie Abscheidetemperatur, Gasflussraten, Sprühzyklen oder Druck. Diese Eingangsgrößen werden gezielt variiert, um Mikrostruktur, Phasenanteile und letztlich die makroskopischen Eigenschaften des Werkstoffs zu steuern. Prozessparameterstudien dienen der systematischen Ermittlung sensitivster Parameter und ihrer Wechselwirkungen.
In der Werkstoffmodellierung treten Parameter als Modell- oder Materialparameter auf, etwa kinetische Parameter (Präexponentialfaktor und Aktivierungsenergie), der Mullins-Koeffizient in Schädigungs- und Füllstoffentkopplungsmodellen von Elastomeren oder 3D-Parameter zur Beschreibung anisotroper Grenzflächenkrümmungen (z.B. Krümmungsintegrale). Solche Parameter werden typischerweise über inverse Identifikationsverfahren aus Experimenten kalibriert und besitzen häufig eine klare physikalische Bedeutung.
Eine saubere Trennung zwischen Parametern, Zustandsgrößen und Randbedingungen ist essenziell für reproduzierbare Simulationen, übertragbare Materialmodelle und die robuste Auslegung von Prozessen. Die präzise Definition, Dokumentation und Unsicherheitsquantifizierung von Parametern ist damit ein zentraler Bestandteil moderner werkstoffwissenschaftlicher Forschung.
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