DGM aktuell
01.03.2003
DGM AKTUELL 2003, 5, No. 03

Man nehme …, so begannen bekanntlich die klassischen Rezepte des berühmten Backmittelherstellers aus Bielefeld schon zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. „Was da in hartnäckiger Forscherarbeit entwickelt wurde (gemeint ist der junge Apotheker Dr. Oetker), gibt der Hausfrau die Garantie, dass jeder Kuchen gelingt“, erzählt die Firmenchronik.

Beim Design von Verbundwerkstoffen schwang diese Hoffnung offenbar auch mit, seitdem in den 1960er Jahren die an sich naheliegende Idee aufkam, die Eigenschaften von verschiedenen Werkstoffklassen miteinander zu kombinieren. Die klassischen Werkstoffe stießen einerseits an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, andererseits setzte sich spätestens in den 1970er Jahren die Erkenntnis durch, dass Rohstoffe und Energie nur begrenzt verfügbar sind. Hierzu schrieb Prof. Werner Köster, DGM-Vorsitzender von 1965 bis 1966: „So lösen die Verbundwerkstoffe – zumindest gedanklich – viele Probleme. Wenn auch fertigungs- und anwendungstechnische Grenzen sichtbar werden, können gerade durch systematische Anwendung metallkundlicher Prinzipien rasch Fortschritte erzielt werden“.

Diese Perspektive war ganz nach dem Geschmack der DGM-Klientel und führte folgerichtig im März 1969 dazu, dass die DGM unter der Leitung von Prof. Ulrich Rösler einen Fachausschuss für Verbundwerkstoffe gründete. Auf der konstituierenden Sitzung wurde betont, „die Arbeit auf diesem in der BRD bisher stark vernachlässigten Gebiet zu aktivieren“, mit dem langfristigen Ziel, die Entwicklung „maßgeschneiderter Werkstoffe“ voranzubringen.

Rösler schrieb dies im Vorwort des Tagungsbandes der ersten Tagung des Ausschusses, die im Oktober 1970 im historischen Konzilgebäude in Konstanz stattfand. Dort sollte sie mit wechselnden Schwerpunkten noch bis 1990 regelmäßig im Zweijahresrhythmus stattfinden. Sein Nachfolger, Prof. Peter Sahm, mutmaßte noch 1976, dass man „wohl Anleihen bei anderen Gebieten der Materialwissenschaften machen“ müsse.

Ab 1980 übernahm Prof. Gerhard Ondracek die Leitung des Fachausschusses und verband diese Aufgabe mit einer gründlichen theoretischen Durchdringung und Definition der Thematik. In dieser Zeit erhielt die Tagung auch den wortspielerischen Namen „Verbundwerkstoffe und Werkstoffverbunde“. Ondracekzacek blieb bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1993 beziehungsweise bis zu seinem tragischen Tod im Jahre 1995 eine dominante Persönlichkeit dieser Szene.

Ab 1985 erlebte die Thematik in Deutschland eine deutliche Aufwertung in Form des Materialforschungsprogramms der Bundesregierung, bei dem die Verbundwerkstoffe einen von fünf Schwerpunkten bildeten. 1982, 1986 und 1990 konzentrierte sich die Tagung unter der Leitung von Prof. Walter Brockmann auf ein wichtiges Teilgebiet, „Haftung für hoch beanspruchte Verbunde“.

In der Folge der Wiedervereinigung fand 1993 die Tagung erstmals nicht in Konstanz statt, sondern in Chemnitz, gemeinsam mit der Tagung „Anorganische Schutzschichten“ der früheren DDR. Gleichzeitig wurde der DGM-Fachausschuss in einen Gemeinschaftsausschuss überführt, zusammen mit DGG, DKG, DGO, DVS und VDI. Neuer Leiter wurde Prof. Gunter Leonhardt.

Ab diesem Zeitpunkt wechselten Ort und Leitung von Tagung zu Tagung, wobei steigende Teilnehmerzahlen zu verzeichnen waren: Bayreuth 1995 (Prof. Günter Ziegler), Kaiserslautern 1997 (Prof. Klaus Friedrich), Hamburg 1999 (Prof. Ulrich Kainer und Prof. Karl Schulte), Chemnitz 2001 (Prof. Bernhard Wielage).

Mitte der 1990er Jahre waren offenbar viele der frühen Probleme gelöst, die Anwendung ließ jedoch noch auf sich warten. Während erstmals der Kostendruck bei der Herstellung thematisiert wurde, ist seit kurzem eine deutliche Diversifizierung des Themengebietes zu verzeichnen. Dies erklärt möglicherweise auch das Rekordaufkommen von Vortragsmeldungen bei der diesjährigen Veranstaltung in Wien (Prof. Hans-Peter Degischer, Seite 5).

Kommen Sie nach Wien, überzeugen Sie sich selbst.

Ihr
Peter Paul Schepp

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