DGM aktuell
01.09.2004
DGM AKTUELL 2004, 6, No. 09

Einem Ereignis im Jahresablauf unserer DGM kommt stets eine besondere Bedeutung zu: Die Auszeichnungen einiger Persönlichkeiten, die sich um unsere Wissenschaft, unser Fachgebiet und damit um unsere Gesellschaft verdient gemacht haben. Indem wir sie ehren, bringen wir ihnen unsere kollegiale Hochachtung zum Ausdruck. Den diesjährigen Laureaten, die nachfolgend vorgestellt werden, gelten unsere herzlichen Glückwünsche.

Die höchste unter den Auszeichnungen, die unsere Gesellschaft vergibt, ist die Heyn-Denkmünze. Sie erinnert an Emil Heyn, den ersten Vorsitzenden der DGM. Er hat zusammen mit William Guertler, Johan Czochralski und Oswald Bauer u. a. die „Deutsche Gesellschaft für Metallkunde im Verein Deutscher Ingenieure” gegründet. Das geschah am 27. November 1919 in Berlin. Also vor ziemlich genau 85 Jahren.

Die Vision der Gründer war, alle an der Erforschung der Metalle und ihrer Verarbeitung interessierten Personen, Institute und Firmen in Deutschland unter einem Dach zusammenzuführen. Ein Netzwerk sollte entstehen zwischen Fachleuten und Institutionen, das einschlägige Erfahrungen und Kenntnisse vermittelt. Es galt, die Brücke zwischen Forschung und Praxis zu schlagen. Eine Vision, die bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.

Eine planmäßige Forschung wurde als gebotene Notwendigkeit erkannt. Es wurde deshalb gefordert, das Wesen des metallischen Zustandes bis hin zu atomistischen Gegebenheiten aufzuklären, sowie die Zusammenhänge zwischen Aufbau und Eigenschaften der Metalle und ihrer Legierungen zu erforschen und – das ist die wichtigste Konsequenz – die gewonnenen Einsichten auf ihre Herstellung, Verarbeitung und Anwendung zu übertragen.

Klarer und zukunftssicherer konnte man die Aufgaben der Gesellschaft nicht umreißen. Hier wurden bereits die grundlegenden DGM-Themen angedacht, die sich stetig weiterentwickelt haben mit wachsender Verständnistiefe, dank einer sich schnell steigernden methodischen Präzision. Und diese Thematik hat starke Impulse nicht nur für die Erforschung metallischer Materialien gebracht, sondern gleichermaßen für alle, auch die nichtmetallischen Materialien.

Dieser Hinwendung zur materialkundlichen Gesamtheit wurde 1989 Rechnung getragen mit der Umbenennung in „Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V.”, unter Beibehaltung unseres traditionellen Akronyms „DGM”. Mit dieser Namensanpassung wird auch eines deutlich, was die DGM immer ausgezeichnet hat, nämlich die angemessene Reaktion auf die im schnellen Takt ablaufenden Strömungen im gesellschaftlichen und technischen Umfeld.

Ideen und Tatkraft haben unsere DGM vorangebracht. Aus Erfolgen, aber auch aus Enttäuschungen hat sie gelernt. An den Fronten von Wissenschaft und Technik liegen die Herausforderungen der Zukunft, zu deren Bewältigung und Nutzbarmachung immer Werkstoffe benötigt werden, traditionelle und neue. Zu Werkstoffen gibt es keine Alternativen. Hier liegen auch nach 85 Jahren die Perspektiven für die DGM, hier kann und wird sie sich auch mit Risikobereitschaft profilieren und hier wird sie ihren jungen und zukünftigen Mitgliedern höchst interessante Chancen und aktuelle Ausblicke bieten. Und wenn man sie so anschaut, unsere Jubilarin, in ihrer kreativen Anpassung an die rasanten Fortschritte in der technischen und gesellschaftlichen Welt, dann ist man geneigt, an die Worte von Hermann Hesse zu glauben: „Mit der Reife wird man immer jünger”.

Ihr
Günter Petzow

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