DGM aktuell
01.04.2004
DGM AKTUELL 2009, 11, No. 04

Liebe Mitglieder und Freunde der DGM,

Sie erleben gerade eine der seltenen Perioden, in denen die DGM zwei Geschäftsführer hat: 1971, als Herr Dr. Schumacher von seinem Vorgänger, Herrn Trautmann, die Geschäftsführung übernommen hatte, 1990, als ich sie von Dr. Schumacher übernahm, und nun, da ich die Geschäfte an Herrn Dr. Fischer übergeben werde. Ja, es ist so weit: Ich werde am 30.04.2009 nach 19 Jahren als DGM-Geschäftsführer ausscheiden.

Es waren spannende Jahre: Als Forschungsingenieur in der Großindustrie war ich zuvor dem Markt nicht wirklich ausgesetzt, auch nicht in leitender Stellung. Ich war in ein festes Programm eingebunden, die Budgetverantwortung fand ausschließlich intern statt. Als Geschäftsführer der DGM wurde alles anders: Nun gab es den Wissenschaftsmarkt, den Veranstaltungsmarkt, den Veröffentlichungsmarkt, und dies vor dem Hintergrund, Ihnen, den Mitgliedern, zu gefallen. Aber ich erlebte erstmals auch die ehrenamtliche Gemeinschaftsarbeit in den Fachgremien, von deren Initiative und Unterstützung vieles abhing. Zeitweilig zählte die DGM 22 Fachausschüsse mit über 50 Arbeitskreisen. Viele nachhaltige freundschaftliche Begegnungen, die Anerkennung durch die Älteren, die Nähe zu faszinierenden Persönlichkeiten prägten meine Arbeit. Erfolge wären ohne dieses Zusammenspiel gar nicht möglich gewesen.

Aber schon bald bekam ich zu spüren, dass der Markt auch eine „Einnahmeseite“ hat. Die Mitgliedsgebühren stellten zwar eine Art Grundfinanzierung dar. Aber die Zahl der Mitglieder war in diesem Sinne auch damals nicht wirklich groß, trotz des starken Wachstums nach der Wende: Wie sollten wir unseren Satzungsauftrag erfüllen?

Mein Vorgänger hatte schon mit der Organisation von Tagungen und Fortbildungen begonnen, und ich setzte diesen Weg fort. Dass das nicht immer wie geplant funktionierte, musste ich gleich in der Krise von 1993/1994 schmerzhaft einsehen. Aber auch ohne Überschüsse erlaubten uns die Deckungsbeiträge der Veranstaltungen, die Geschäftsstelle auszubauen. Die Mitarbeiter trugen dieses Modell größter Flexibilität mit. Wir wuchsen zu einem leistungsfähigen Team zusammen und konnten schließlich beachtliche Rücklagen bilden. Das Ansehen der DGM nahm zu, in der Fachwelt, bei Staat und Gesellschaft, durch zahlreiche internationale Tagungen und Projekte bald auch weit über Deutschland hinaus. Die EUROMAT-Serie wurde für einige Jahre unser Flaggschiff. Mit der Übernahme des FEMS-Sekretariats kam auch die formale europäische Weihe hinzu. Auf dieser Schiene vermochten wir mehr, als unsere Mitgliederzahlen nahelegten. Die Fachszene im In- und Ausland dankte es uns mit zunehmender Vernetzung und steigenden Teilnehmerzahlen.

Die andere Schiene der Sichtbarmachung unserer Gesellschaft lief über unsere Zeitschriften: Schon 1991 hatten wir das Mitgliedermagazin DGM-Aktuell ins Leben gerufen. Neben unserem wissenschaftlichen Organ, der Zeitschrift für Metallkunde, initiierten wir vor zehn Jahren die vorliegende Zeitschrift Advanced Engineering Materials, die DGM-Aktuell aufnahm und die seitdem jedes DGM-Mitglied Monat für Monat ins Haus bekommt. Bald folgten unsere französische und schweizerische Schwestergesellschaft. Die AEM hat heute eine Auflage von über 4000 und ist damit die größte ihrer Art in Europa.

Wohin treiben die Vereine? Wo positioniert sich die DGM? Die Diskussionen zur Zusammenführung unserer stark zersplitterten Vereinswelt sind wieder in vollem Gang. Hoffnungen auf Synergien sind berechtigt. Machen die Mitglieder von über 20 einschlägigen Vereinen diesmal mit?

Ich danke Ihnen allen, dass Sie meinen Weg so angenehm und wirkungsvoll begleitet haben. Meinem Nachfolger wünsche ich in den nächsten 19 Jahren viel Erfolg.

Ihr
Peter Paul Schepp
(pps@peterpaulschepp.de)

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