DGM aktuell
01.09.2009
DGM AKTUELL 2009, 11, No. 9

Liebe Mitglieder und Freunde der DGM,

die DFG ist als nationale Förderorganisation seit vielen Jahren auch in Europa aktiv. Ziel ist es, die deutsche Wissenschaft und Forschung im globalen Wettbewerb zu stärken. Sie unterstützt die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Forschenden in Europa sowie ihre Mobilität. Dabei spielt die Schaffung eines einheitlichen Europäischen Forschungsraums (European Research Area – ERA) eine zentrale Rolle. Die DFG unterstützt das Konzept eines ERA und wirkt aktiv an seiner Ausgestaltung mit.

Ein wesentlicher Ansatz des ERA ist aus Sicht der EU-Kommission die Überwindung der Fragmentierung der europäischen Forschungslandschaft. Aus Sicht der DFG ist dies zunächst ein Ergebnis der europäischen Vielfalt, die dort überwunden werden muss, wo sie die Mobilität, die Bildung kritischer Masse, den Aufbau von Kooperationen und den Wettbewerb verhindert. So soll der ERA es ermöglichen, einen einheitlichen Arbeitsmarkt für Forschende zu schaffen, wissenschaftsgeleitete Fördermechanismen zu etablieren, grenzüberschreitende Förderung zu ermöglichen, die Vernetzung mit Großgeräten zu optimieren sowie den Ausbau der Informationssysteme und die Open-Access-Strategie zu forcieren.

Die DFG sieht die Vielfalt des ERA jedoch auch als eine Quelle seiner Stärke und Basis seines Entwicklungspotenzials. Deshalb darf die Überwindung der Fragmentierung nicht zu Lasten der produktiven nationalen Vielfalt der Förderorganisationen gehen.

Der European Science Foundation (ESF) kommt in diesem Prozess aus Sicht der DFG als „Agency of the Agencies“ eine wichtige Rolle zu. Sie fungiert als Plattform für die europäischen Wissenschaftsorganisationen und sollte ihre bisherige Rolle als „Stimme der Wissenschaft in Europa“ weiter festigen. So begrüßt und unterstützt die DFG, dass die ESF mit dem Materials Science and Engineering Expert Committee (MatSEEC) ein Expertengremium ins Leben ruft, welches auf europäischer Ebene einen Foresight-Prozess anstößt und der ESF, ihren Mitgliedern sowie der EU-Kommission in Bezug auf strategische Fragen zur Förderung der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik in Europa beratend zur Verfügung steht.

Die ESF ist darüber hinaus auf allen Fachgebieten Garant für eine politisch unabhängige und rein wissenschaftsgeleitete Begutachtung von Forschungskooperationen in Europa. Neben Vernetzungsinstrumenten spielen die European Collaborative Research Programmes (EUROCORES) eine zentrale Rolle. Die DFG beteiligt sich mit durchschnittlich ca. 1,5 Mio. € an EUROCORES. Sie setzt sich auch dafür ein, dass die ESF im Rahmen eines Common-Pot-Finanzierungsmodells mittelfristig die Möglichkeit zur direkten Förderung der von ihr federführend begutachteten Projekte erhält.

Die DFG baut auch bilaterale Forschungskooperationen weiter aus. Dazu zählen die Prinzipien „Money follows researcher“ oder „Money follows cooperation line“. Diese Maßnahmen werden durch bilaterale Abkommen der DFG mit ihren Partnerorganisationen möglich. Es ist jedoch eine Konsolidierung der Verfahren und die Identifizierung von Best-Practice-Modellen erforderlich. Im Rahmen des D-A-CH-Abkommens zwischen der DFG, dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und dem Schweizerischen Nationalfonds hat bereits eine Konsolidierung stattgefunden. Mit dem Lead Agency-Verfahren wurde eine unilaterale Administrierung und gegenseitige Anerkennung der Begutachtungsverfahren vereinbart. Derzeit wird diese im Normalverfahren etablierte Vorgehensweise im Rahmen von DFG-Schwerpunktprogrammen in der Praxis erprobt.

Die DFG wird ihre internationalen Aktivitäten intensivieren und fokussieren. Sie wird sich dabei für die Interessen der deutschen Hochschulforschung einsetzen, EU-Programme zur Grundlagenforschung mitgestalten und Maßnahmen etablieren, mit denen weltweit herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für das deutsche Wissenschaftssystem gewonnen werden können.

Xenia Molodova und Burkhard Jahnen, Bonn

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