DGM aktuell
01.08.2010
DGM AKTUELL 2010, 12, No. 08

Materialwissenschaft und Werkstofftechnik in Deutschland: Unsere führende Position halten und ausbauen

In der Bundesrepublik Deutschland wird das Gebiet der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik schon seit Mitte der 1980er Jahre von der Bundesregierung engagiert gefördert. Hintergrund ist u.a. die Erkenntnis, dass für international wettbewerbsfähige technologische Innovationen häufig die Verfügbarkeit leistungsfähiger und kostengünstiger Werkstoffe die Voraussetzung ist. Schon damals wurde festgestellt: Materialforschung muss langfristig angelegt werden, soll sie erfolgreich sein. Dies gilt unverändert auch heute noch.

Aufbauend auf einer schon in den 1990er Jahren guten Position im internationalen Vergleich wird dem Gebiet in Deutschland auch aktuell eine in vielen Feldern führende Position bescheinigt. Einer der Gründe hierfür ist nicht zuletzt, dass die öffentliche Förderung der Materialforschung und Werkstofftechnik in Deutschland durch den Bund, die Länder und die EU derzeit mit insgesamt jährlich gut 1 Mrd. Euro* ausgestattet ist. Das ist eine gute Basis.

Die gute Position gilt es zu halten und weiter auszubauen, will Deutschland seinen führenden Platz als Technologie- und Innovationsstandort in einer globalisierten Welt erhalten. Dazu bedarf es der Weiterentwicklung von (Förder-) Konzepten, der Fokussierung auf die zentralen Themenfelder – in den Instituten und Hochschulen ebenso wie in der Industrie. Dies schließt besonderes Augenmerk auf qualifizierte Ausbildung und Nachwuchsförderung mit ein.

Eine noch engere und effizientere Zusammenarbeit von institutioneller Forschung und industrieller Entwicklung, die Bearbeitung der gesamten Wertschöpfungskette vom Material bis zur Anwendung in Systemen – die noch zügigere Umsetzung von Inventionen in marktfähige Innovationen – hat hier strategische Bedeutung.

Zentrale Handlungsfelder der Hightech-Strategie 2020 der Bundesregierung

Klima/Energie, Gesundheit/Ernährung, Mobilität, Sicherheit und Kommunikation sind die zentralen Handlungsfelder der Hightech-Strategie 2020 der Bundesregierung. Es liegt auf der Hand, dass zur Lösung von Herausforderungen in diesen Feldern – insbesondere bei Klima/Energie, Mobilität und Kommunikation – moderne Werkstoffe zentrale Beiträge leisten können und werden. Aber man kann es nicht oft genug wiederholen: Entwicklungszeiten von der Idee bis zur Anwendung – „Time to Market“ und Kosten – werden zu den erfolgskritischen Faktoren gehören.

Nicht nur eine strategische Forschungsplanung, die Entwicklung von zukunftsfähigen Konzepten der Zusammenarbeit und die Definition von prioritären Themen sind erforderlich. Der europäische Forschungsraum spielt hier eine zunehmend wichtige Rolle. Manche Problemlösungen werden nur im Rahmen einer internationalen Bündelung der Kräfte zu lösen sein. Dazu gehört letztlich auch das verstärkte Engagement von Experten aus Deutschland in den Gremien der Europäischen Union.

Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde (DGM) mit der breit gefächerten Expertise ihrer Mitglieder aus Forschung und Industrie ist geradezu prädestiniert, sich wirkungsvoll in diesen Prozess einzubringen und mitzuwirken. Einfach ist das nicht. Die Prozesse müssen entwickelt, organisiert und umgesetzt, in politische Entscheidungen implementiert werden. Aber es ist eine lohnende Aufgabe!

Wolfgang Faul, Jülich
Quelle: F.J. Bremer, Projektträger Jülich

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