DGM aktuell
01.10.2010
DGM AKTUELL 2010, 12, No. 10

Verbundwerkstoff-Tagung in Chemnitz

Die internationale Fachtagung „Verbundwerkstoffe und Werkstoffverbunde“ wird „volljährig“. Mit Stolz kann ich sagen, dass die 1992 erstmals nach der Wiedervereinigung auf ostdeutschem Boden stattfindende Veranstaltung ein echtes „Chemnitzer Kind“ ist. Über die vielen Jahre des Wachstums hat die Tagung durch bedeutende wissenschaftliche, anwendungsbezogene und technologische Beiträge einen international bedeutenden Stellenwert erlangt. Mit dem 18. Symposium kehrt nun diese traditionsreiche Tagung zum dritten Mal zurück nach Chemnitz.

Moderne maßgeschneiderte Werkstoffe waren am Anfang der Tagungsgeschichte noch eine ferne Vision vieler Wissenschaftler, die heute zum Selbstverständnis ingenieurtechnischer Entwicklung geworden sind. Die Verbundwerkstoffe und Werkstoffverbunde bereichern alle wichtigen technologischen Bereiche und erweitern stetig die Einsatzgrenzen unserer Produkte. Die Vielfalt der Anwendungen ist riesig – von hybriden Werkstoffen in der Luft- und Raumfahrt, Multi-Material-Design in der Automobilindustrie, partikel- und faserverstärkten hochfesten Leichtbauanwendungen im Maschinenbau bis hin zu medizinischen Anwendungen von adaptiven, biokompatiblen Werkstoffen.

Trotz dieser bisher positiven Entwicklung verbirgt sich in diesen Materialien noch immer ein enormes Forschungs- und Entwicklungspotenzial. Der Beitrag für eine „grüne“ Zukunft findet sich sowohl in der nachhaltigen Nutzung und im Recycling dieser Werkstoffe als auch in der bedarfsgerechten Konstruktion und in einer serientauglichen und kostengünstigen Herstellung wieder. Die Tagung liefert damit einen weiten Raum für neue wissenschaftliche Arbeiten. Dazu zählt die Forschung an multifunktionalen und intelligenten Verbundwerkstoffen, die über sensorische oder aktorische Komponenten ein ganz neues Feld von Anwendungsmöglichkeiten aufspannen. In diesem Forschungsgebiet können Ansätze wie Selbstheilungseffekte und Lebensdauerdiagnostik von Werkstoffen gefunden werden, die die Sicherheit technischer Produkte nachhaltig verbessern.

Zahlreiche dieser spannenden Themen stehen zum 18. Symposium „Verbundwerkstoffe und Werkstoffverbunde“ auf dem Programm. In den drei Tagen wird es zukunftsweisende Vorträge in einer Mischung aus Forschung, Entwicklung und Industrieeinsatz geben. In über 100 Fachbeiträgen können sich die Besucher neben Entwicklungen in den traditionellen Bereichen der Metallmatrix-, Keramikmatrix- und Polymermatrix-Verbundwerkstoffen auch über innovative Forschungen auf den Gebieten der zellularen und porösen Werkstoffe sowie auf dem Sektor neuartiger Werkstoffverbunde informieren. Vielschichtige Akzente werden unter dem Fokus „Structural Health Monitoring“ gesetzt. Funktionelle Beschichtungen von Werkstoffkomponenten sind inzwischen bei zahlreichen Anwendungen Notwendigkeit für eine maßgebliche Eigenschaftsverbesserung. Die Gebiete „Modellierung und Simulation“ tangieren alle Forschungsschwerpunkte in bedeutendem Maße.

Die Tagung lädt zum intensiven Gedankenaustausch ein und soll zur Nutzung von Synergien zwischen den einzelnen Disziplinen und ihren Wissenschaftlern anregen. Denn wie Aristoteles bereits vor 2000 Jahren feststellte: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

In diesem Sinne freue ich mich sehr, Sie vom 30.03.2011 bis 01.04.2011 in Chemnitz begrüßen zu dürfen.

Herzlichst Ihr
Bernhard Wielage
Technische Universität Chemnitz

© 2026