DGM aktuell
01.11.2013
DGM AKTUELL 2013, 15, No. 11

Liebe Mitglieder und Freunde der DGM,

seit Urzeiten hat die Nutzung von Materialien als Werkstoffe am Rad der Zivilisation gedreht. Mehrere Tausend Jahre hat der Mensch probiert, experimentiert, nachgedacht und schließlich zielgerichtet geforscht, bis die Entwicklung, Herstellung, Prüfung und Nutzung von Werkstoffen vom Handwerk zur Industrie und schließlich zu einer eigenständigen, ganzheitlichen Wissenschaft geworden ist. Heute bildet eine kaum noch überschaubare Anzahl von Werkstoffen das materielle Fundament der Industrie. Sie beeinflussen 70 Prozent des Bruttosozialprodukts und bestimmen maßgeblich unser gesamtes Leben. Theoretische, methodische und gerätetechnische Fortschritte an den Schnittstellen mit der Physik, der Chemie und der Biologie, neue Fertigungstechnologien und -anlagen sowie die Nutzung der modernen Informationstechnik ermöglichen eine nahezu phantastische Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte.

In Anlehnung an Søren Kierkegaard, den dänischen Philosophen, Essayisten, Theologen und Schriftsteller, könnte man sagen, die Entwicklung der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik muss man vorwärts leben, verstehen kann man sie rückwärts. Was waren die Triebkräfte dieser Entwicklung? Aus welchen Quellen hat sie geschöpft und wie sind ihre Ergebnisse in andere Gebiete vorgedrungen? Wie haben sich einzelne Gebiete der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik entwickelt? Wer waren die Personen, die sie maßgeblich vorangebracht haben? Welche Rolle hat dabei das Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gespielt?

Um belegbare, fundierte Antworten auf solche und andere Fragen zu finden, haben über 40 DGM-Mitglieder am 25. September in Kassel den Fachausschuss Geschichte gegründet. Er wird von Prof. Dr. Helmut Maier, Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte, Ruhr-Universität Bochum (helmut.maier@rub.de), geleitet. Seine Arbeitsschwerpunkte sind zunächst die übergreifende Werkstoffgeschichte, „Old Boys“-Zeitzeugeninterviews und -gespräche sowie 100 Jahre DGM (1919–2019).

Im Sinne des Kierkegaard’schen „Vorwärtslebens“ sollen und können die Ergebnisse der Arbeit dieses Fachausschusses dazu beitragen, dass die DGM ihren Partnern in der Wirtschaft und in der Politik noch vernehmlicher und überzeugender deutlich machen kann, welche Bedingungen gemeinsam zu schaffen sind, damit die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik Forschungsergebnisse erzielen kann, die zu wettbewerbsfähigen Innovationen in der Industrie und für die Gesellschaft führen. Sie sollen und können auch helfen, einer breiteren Öffentlichkeit verständlich näherzubringen, wie jede*r Einzelne von solchen Forschungsergebnissen profitiert. Und nicht zuletzt sollen und können sie das Interesse von Kindern und Jugendlichen an der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik wecken und vertiefen.

Ich freue mich auf eine erfolgreiche Arbeit im neuen Fachausschuss.

Klaus Urban
Eichwalde
Referent a. D., Bundesministerium für Bildung und Forschung

PS: Einen Bericht über das Gründungstreffen finden Sie auf der nächsten Seite.

© 2026