
Herbstzeit – Tagungszeit: Zwischen September und Dezember veranstalten wir fünf Tagungen und fast nebenbei zehn Fortbildungen. Zuletzt war das so im Herbst 1992, aber damals ging bekanntermaßen kaum noch jemand hin, die Rezession hatte ziemlich schlagartig eingesetzt, und wir als Veranstalter gerieten mit unseren Herbsttagungen teilweise sogar unter die Erwartungen. Welch ein Erlebnis für die Geschäftsstelle, die damals die Tagungen alleine betreute. Inzwischen hat sie Verstärkung durch Frau Mangold (geborene Trundle) und Frau Klimm bekommen. Gleichwohl ist Frau Mangold weiterhin voll für die Fortbildungen zuständig und Frau Klimm für den Buchverkauf. Es wird also ein bisschen eng in der Geschäftsstelle, aber die Freude über so viel Akzeptanz wiegt erst einmal manches auf. Wie also haben wir die Tagungen dieses Herbstes erlebt?
Beim Symposium „Stranggießen“ einfach nur festzustellen, das Gesetz der Serie – alle fünf Jahre die gleiche Teilnehmerzahl – sei nicht beschädigt, würde seinem diesjährigen Erfolg nicht gerecht. Wir waren ja mit anderen periodisch wiederkehrenden Technologiesymposien, etwa Walzen oder Ziehen, in den letzten beiden Jahren nicht gerade verwöhnt worden. Freilich freuten sich hier 240 Teilnehmer eines sehr eng begrenzten Fachgebietes, davon über 80 % aus der Industrie, zunächst schlicht auf ein Wiedersehen. Auch aus Norwegen, der Schweiz und den Niederlanden kamen nennenswerte Kontingente an Teilnehmern. Aber es war auch unübersehbar, dass hier ein sehr lebendiger Fachausschuss unter der Leitung von Prof. Lossack, VAW Aluminium AG, es verstanden hat, Fortschritte in einem gemeinhin als abgeschlossen betrachteten Technologiefeld von Commodity-Produkten für das Tagungsprogramm herauszuarbeiten und spannend zu präsentieren. Am Ende hieß es, bei so viel neuer Substanz müsse man vielleicht über einen Drei-Jahres-Rhythmus nachdenken. Organisatorisch war dieses eineinhalbtägige Symposium in Bad Nauheim für uns natürlich ein Heimspiel, wie Frau Geis und Frau Klimm betonten.
Eine ganz andere Szene, aber eine nicht minder erfolgreiche Tagung kam bei „Verbundwerkstoffen und Werkstoffverbunden“ in Bayreuth zusammen. Und zwar aus einem breiten Einzugsbereich. Das ist nicht verwunderlich, denn der aus dem DGM-Fachausschuss hervorgegangene Gemeinschaftsausschuss, der die Tagung initiiert hatte, wird inzwischen von fünf Gesellschaften getragen. Er ist seiner Arbeit nach ein Koordinationsgremium. Das heißt, die Fachinhalte werden in den Einzelausschüssen der verschiedenen Gesellschaften behandelt, der Gemeinschaftsausschuss ist die Klammer. Der Zusammenhalt kam auf der Tagung hervorragend zum Ausdruck. Das Konzept, entlang der gesamten Veranstaltung auf einer Parallelspur lückenlos Übersichtsvorträge anzubieten, während auf den beiden weiteren Parallelspuren Spezialvorträge stattfanden, trug viel zur Übersicht trotz thematischer Vielfalt bei. Dem Ruf des Programmausschusses unter der Leitung von Professor Ziegler, Bayreuth, folgten schließlich 270 Teilnehmer, etwa die doppelte Anzahl früherer Jahre. Ein nicht geringer Anteil kam auch hier aus dem Ausland. Atmosphärisch lebte die Tagung ganz wesentlich vom außergewöhnlichen Engagement von Professor Ziegler und seinem Institut, die in den modernen Hörsaalgebäuden der Universität alle Register zogen. Die Zusammenarbeit war eine Freude.
Die diesjährige Metallographie-Tagung blieb mit rund 400 Teilnehmern ein wenig hinter ihren Möglichkeiten zurück. Sie wurde erstmals als europäische Tagung veranstaltet, mit einer englischen und zwei deutschsprachigen Parallelsitzungen. Wir hatten uns eine Belebung der europäischen Metallographieszene versprochen und damit eher eine deutliche Zunahme der Teilnehmerzahl erwartet. Würden die Metallographen aus dem europäischen Ausland das Angebot annehmen? Die erhoffte Integration stellte sich jedoch nicht recht ein, die Nationen blieben weitgehend getrennt. Der große Saal mit den englischsprachigen Vorträgen war durchweg sehr spärlich besetzt, während für die deutschsprachigen Parallelsitzungen zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten. Auch die Ad-hoc-Workshops waren überwiegend deutschsprachig. In der abschließenden Diskussion wurde viel Unmut zum Konzept geäußert, vorwiegend von deutschen Teilnehmern. Auch seitens der Funktionsträger im Ausschuss blieb der Tadel nicht aus. Hier müssen wir uns also im nächsten Jahr besonders anstrengen.
Was zurzeit alle unsere Tagungen etwas überschattet, ist das konsequente Bestehen auf Bezahlung der Teilnahmegebühr vor der Tagung, also spätestens am Tagungsbüro. Dazu mussten wir übergehen, nachdem wir jeweils am Jahresende 1993 und 1994 noch erhebliche Außenstände verzeichnet hatten. Die Konfrontation mit unserer Zahlungsaufforderung am Tagungsbüro ist für beide Seiten unangenehm. Wer an Tagungen im Ausland teilnimmt, weiß indes, dass Teilnahme auf Kredit fast nirgends möglich ist. Für uns am Tagungsbüro ist es ein Balanceakt besonderer Art, wenn wir insbesondere Ehrenamtliche, die sich in der Gesellschaft unbestreitbare Verdienste erworben haben, durch unser Vorgehen konsternieren. Aber es sind einfach zu viele geworden, die in ihren Betrieben nicht auf eine frühzeitige Zahlungsanweisung achten, sodass persönliche Rücksichten nicht mehr handhabbar sind. Wir bitten Sie daher um Verständnis für diese Maßnahmen, die im Interesse der Gesellschaft und damit letztlich auch im Interesse jedes Mitgliedes liegen.
Nun haben wir noch zwei Tagungen vor uns: die „Pulvermetallurgie“ in Hagen und die „Werkstoffprüfung“ in Bad Nauheim. Das Hagener Symposium veranstalten wir zum ersten Mal, nachdem die Geschäftsführung des Gemeinschaftsausschusses satzungsgemäß auf die DGM übergegangen ist. Diese Tradition ist uns eine hohe Verpflichtung. Neu ist, dass wir dem Symposium einen eintägigen Studententag voranstellen, an dem sich rund 60 Studierende kostenlos in Pulvermetallurgie fortbilden können. Die Kosten wurden von 13 Firmen übernommen. Für das Symposium haben sich bis eine Woche vor Beginn über 200 Teilnehmer und 36 Aussteller angemeldet. Die Werkstoffprüfung ist eines der Symposien, deren Organisation wir uns unter mehreren Gesellschaften periodisch weiterreichen. Sie findet jährlich in Bad Nauheim statt. Noch ein Heimspiel also. Das Teilnehmerverzeichnis füllt sich allmählich, aber was sagt das schon drei Wochen vor der Tagung. Die Tendenz zur kurzfristigen Anmeldung hält an, Planung gerät zur abwartenden Improvisation. Haben es wir Veranstalter nicht ganz schön schwer? Aber wir wüssten nicht, was wir lieber täten, als selbst fünf Minuten vor der Tagung noch einen weiteren Teilnehmer zu registrieren.
Ihr
Peter Paul Schepp
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