DGM aktuell
01.04.2003
DGM AKTUELL 2003, 5, No. 04

„Worüber ließe sich trefflicher streiten als über die Ursache eines plötzlichen Bauteilversagens? Wurde das Material falsch behandelt oder gar verwechselt? Hat der Kollege Konstrukteur gegen elementare Regeln seiner Kunst verstoßen, oder war eine Überlastung des Bauteils die Ursache? Fragen dieser Art müssen sich viele Werkstoffingenieure in ihrem täglichen Umfeld stellen. Moderne Qualitätsphilosophien und die immer teureren Folgen von Schäden in immer komplexeren technischen Strukturen haben die Bedeutung einer systematischen Untersuchung und zutreffenden Beurteilung von Schadensfällen noch verstärkt. Was kann und sollte ein Fortbildungsseminar hierzu leisten?“

So fragte ich 1991 in DGM-Aktuell anlässlich der zehnjährigen Jubiläumsveranstaltung des Seminars „Systematische Beurteilung technischer Schadensfälle“, das die DGM damals jährlich und in den letzten Jahren auch zweimal jährlich in Ermatingen am Bodensee ausrichtet. Die Frage lässt sich offensichtlich heute unverändert stellen.

Auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist die Weiterbildung in den Betrieben als ein zentrales Instrument der Personalentwicklung unverzichtbar geworden, ausgelöst durch die Veränderungen am Arbeitsmarkt sowie den technologischen und arbeitsorganisatorischen Wandel. Die Antwort ist daher: Ein Fortbildungsseminar kann gerade in der Schadensanalyse eine ganze Menge leisten, da diese im Rahmen der Ausbildung zum Werkstoffingenieur selten als geschlossene Disziplin angeboten wird.

Da die Ausbildung also typischerweise in der Praxis erworben werden muss, wird es notwendig, den Werkstoffingenieuren nach einigen Jahren beruflicher Praxis beispielsweise die Grundlagen der Schädigungsmechanismen in Erinnerung zu rufen. Spektakuläre und weniger spektakuläre Fallbeispiele können darüber hinaus zur Festigung der Grundkenntnisse immer wieder beitragen.

Die eigentliche Chance für die Seminarteilnehmer aber, die oft untereinander als Lieferanten und Betreiber von Anlagen in Beziehung stehen, liegt im Zusammentreffen mit einschlägig spezialisierten Hochschullehrern und Sachverständigen von privaten und öffentlichen Prüfinstitutionen. Mit ihnen wird eine systematische Vorgehensweise sowie eine gemeinsame Sprache für die Beurteilung typischer Schadensbilder entwickelt.

„Hierzu ein Forum bereitzustellen, ist das Verdienst der DGM“, stellte ich seinerzeit in DGM-Aktuell fest. Vater des Erfolges dieses Seminars ist seit mehr als 20 Jahren in besonderem Maße der Leiter des Seminars, Herr Prof. Lange von der TU Braunschweig, der zusammen mit seinem Kollegen, Herrn Prof. Pohl von der Ruhr-Universität Bochum, ein Team von sehr kompetenten Fachleuten über viele Jahre bei der Stange gehalten hat.

Die unterschiedlichen Ansätze der Schadensanalyse: Prof. Pohl und Prof. Lange (re.) vor dem Ausbildungszentrum Wolfsberg (aus DGM-Aktuell 1991).

Ich habe einen Tag mit den Teilnehmern der diesjährigen Frühjahrsveranstaltung verbracht, die begeistert bei der Sache waren, in den Vorträgen ebenso wie beim abendlichen Plausch in der Remise, wo viele individuelle Probleme mit den Fachleuten ausdiskutiert werden konnten.

Kein Zweifel, auch der Seminarort, das Ausbildungszentrum der Schweizerischen Bankgesellschaft, hoch über dem Bodensee gelegen, dürfte zum dauerhaften Erfolg des Seminars nicht unerheblich beitragen. Viele der meist jüngeren Teilnehmer melden sich an, weil Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte ihnen begeistert von ihren eigenen guten Erfahrungen berichten.

So muss es sein, und so erfreut es den Geschäftsführer, der dem Leiter und seinen Referenten sehr dankbar ist und dem Seminar noch viele Jubiläen wünscht.

Peter Paul Schepp

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