DGM Aktuell
01.08.2002 (CEST)
DGM AKTUELL 2002, 4, No. 8

Der DGM-Tag 2002 in Aachen war erneut ein guter Erfolg. 130 Teilnehmer machten deutlich, dass wir auf einem guten Weg sind, an die gesellschaftliche Rolle unserer früheren Hauptversammlung anzuschließen. Wenn es uns darüber hinaus gelingt, die Veranstaltung wie in diesem Jahr durch sehr kompetente fachliche Darbietungen zu bereichern, bin ich sicher, dass wir künftig ein sehr attraktives Format anbieten können.

Bereits das Kolloquium am Vortag zum Gedenken an Prof. Lücke, den kürzlich verstorbenen Mentor der Aachener Metallkunde, war über persönliche Reminiszenzen hinaus für die Teilnehmer ein wissenschaftlicher Leckerbissen. Die vier Übersichtsvorträge der Weltfirmen VAW Aluminium, heute Hydro Aluminium, Volkswagen, Siemens sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt fanden am folgenden Morgen ein viel beachtetes Echo unter den Mitgliedern.

Wir hätten uns allerdings gewünscht, dass unsere Einladung mehr Studierende und angehende Wissenschaftler erreicht hätte. Hier müssen wir im kommenden Jahr deutlich größere Anstrengungen bei der Bekanntmachung der Veranstaltung unternehmen, möglicherweise auch bei den benachbarten wissenschaftlichen Disziplinen vor Ort.

Auch die Mitgliederversammlung verlief sehr harmonisch. In diesem Jahr standen erneut die Wahlen einiger Vorstandsmitglieder an, darunter auch die meines Nachfolgers. Ich heiße die neu gewählten Kolleginnen und Kollegen sehr herzlich im Vorstand willkommen und möchte insbesondere dem neuen Vorsitzenden zu seiner hohen Zustimmung bei der Wahl gratulieren.

Meine Damen und Herren Mitglieder, es ist unübersehbar, dass die Rahmenbedingungen für Vereine wie den unseren im Wandel begriffen sind. Diese Herausforderungen, ausgelöst durch sich deutlich verändernde wirtschaftliche und gesellschaftliche Gegebenheiten, bestehen seit einigen Jahren und nehmen weiter an Dynamik zu. Bereits im vergangenen Jahr habe ich in meiner Eröffnungsansprache skizziert, welche strukturellen Vorkehrungen die DGM getroffen hat, um diesen Entwicklungen zu begegnen.

Die Herausforderungen betreffen jedoch nicht nur organisatorische, sondern auch fachliche Ebenen. Manche Kolleginnen und Kollegen sprechen bereits von einem Paradigmenwechsel, vergleichbar mit dem vor etwa 15 bis 20 Jahren. Ich bin der Auffassung, dass wir als technisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft hierzu klar Stellung beziehen müssen. Dies habe ich in der diesjährigen Eröffnungsansprache deutlich gemacht.

Zusammenfassend lässt sich diese Neuorientierung der Werkstoffforschung als ganzheitliche Werkstoffforschung beschreiben. Die Grundlagenforschung wird wieder eine stärkere Rolle spielen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit einer werkstoffklassen- und skalenübergreifenden Werkstoffentwicklung, die sich nicht mehr ausschließlich auf Prozesse der unbelebten Natur beschränkt.

Für uns Materialforscher ist dieser Ansatz nicht neu. Vieles spricht jedoch dafür, dass seine Akzeptanz in einem umfassenderen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext wächst oder zumindest gezielt gefördert wird. Die DGM ist als technisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für diesen Paradigmenwechsel hervorragend positioniert. Sie kann dazu beitragen, diese neue Perspektive sowohl innerhalb der Fachgemeinschaft als auch in der Öffentlichkeit zu stärken.

Machen Sie mit, meine Damen und Herren Mitglieder. Es lohnt sich.

Ihr
Manfred Rühle

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