DGM aktuell
01.05.2002
DGM AKTUELL 2002, 4, No. 05

DGM-Tag in Aachen

Aachen, eine unserer werkstoffwissenschaftlichen Hochburgen in Deutschland und einer unserer bedeutendsten DGM-Standorte. Diese Feststellung trifft auch für den diesjährigen Austragungsort in vorzüglicher Weise zu, und genau so wollten wir es. Die DGM erweist ihren Standorten ihre Reverenz, indem sie dort in der Tradition der Hauptversammlung den DGM-Tag abhält, um diejenigen zu ehren, die sich um die Werkstoffkunde und um unsere Gesellschaft besonders verdient gemacht haben.

Aachen ist metallkundliches Urgestein. Es gehört zu den sogenannten ABC-Hochschulen, die bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg als die klassischen Ausbildungsstätten unseres Fachs galten und durch die viele Generationen von Metall- und Hüttenkundlern gegangen sind. A steht für Aachen, B für Berlin, C für Clausthal. In Ostdeutschland nahm Freiberg eine vergleichbare Rolle ein. Gegen Ende der 1960er Jahre begannen diese Hochschulen, ihr Studienangebot schrittweise um Studiengänge der modernen Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik zu erweitern. In Aachen gelang dies vor dem Hintergrund eines einschlägigen industriellen Umfeldes in besonderer Weise.

Allerdings entwickelte sich in den neuen Studienfächern bald Konkurrenz an weiteren Studienorten, im Westen ebenso wie im Osten Deutschlands. Heute sprechen wir erneut von einem Paradigmenwechsel, der möglicherweise die nächste Stufe oder die umfassendere Umsetzung des bereits eingeschlagenen Weges darstellt. So bietet die RWTH Aachen als einer der ersten Studienorte in Deutschland einen interdisziplinären Studiengang Materialwissenschaften an. Dieser wird gemeinsam von der Fachgruppe Metallurgie und Werkstoffkunde, den naturwissenschaftlichen Fachgruppen Physik und Chemie sowie den ingenieurwissenschaftlichen Fachbereichen Maschinenbau und Elektrotechnik beziehungsweise Informationstechnik getragen. Der Studiengang führt zugleich zu den Abschlüssen Bachelor oder Master of Science.

Als einer der Wegbereiter eines modernen Verständnisses unseres Fachgebietes und als prägende Persönlichkeit der Aachener Entwicklung darf Prof. Lücke gelten. Er war Gründer und langjähriger Leiter des Instituts für Metallkunde der RWTH Aachen in den Jahren 1957 bis 1986. Kurt Lücke verstarb im Oktober des vergangenen Jahres. Zu seinem Gedenken werden das Institut sowie einige seiner früheren Schüler und Kollegen am Vortag des DGM-Tages eine Vortragsveranstaltung zu seinen Forschungsthemen ausrichten.

Die DGM ehrt in ihm ihren ehemaligen Vorsitzenden der Jahre 1973 bis 1974, den Träger der Heyn-Denkmünze von 1976 sowie ihr Ehrenmitglied seit 1992. In seine Amtszeit fällt übrigens auch die Einrichtung der Stelle eines hauptamtlichen Geschäftsführers der DGM, was ich als heutiger Inhaber dieser Funktion naturgemäß als besonders bemerkenswert empfinde.

Sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder, ich wünsche uns eine interessante Veranstaltung und freue mich auf ein Wiedersehen in Aachen. Den Mitgliedern des Programmausschusses, Prof. Gottstein, Prof. Kopp, Dr. Broich und Prof. Hirsch, danke ich herzlich für ihr herausragendes Engagement bei der Vorbereitung.

Ihr
Peter Paul Schepp

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