
Liebe Leserin, lieber Leser,
ohne Materialwissenschaft und Werkstofftechnik, kurz MatWerk, wäre unser heutiges Leben kaum vorstellbar. Aktuellen Studien zufolge gehen rund 70 Prozent aller innovativen Produkte auf Erkenntnisse aus diesem Bereich zurück. In Deutschland erzielen MatWerk-basierte Branchen einen Jahresumsatz von etwa einer Billion Euro und sichern damit rund fünf Millionen Arbeitsplätze. Sämtliche Zukunftsfelder sind davon betroffen, von Mobilität und Kommunikation über Energie und Gesundheit bis hin zu Sicherheit und Umwelt.
In diesem Kontext kommt dem Leichtbau als Konstruktionsphilosophie eine zentrale Bedeutung zu. Überall dort, wo Ressourcen geschont und der Energieeinsatz minimiert werden müssen, sind gewichtsreduzierende Materialien oder deren Kombinationen aufgrund ihrer charakteristischen Eigenschaften branchenübergreifend das Mittel der Wahl. Nicht nur in der Automobilindustrie oder der Luft- und Raumfahrttechnik zeichnet sich ein klarer Trend zum Multi-Material-Einsatz ab. Sandwich-Composite aus glasfaserverstärkten Kunststoffen mit Balsaholz oder Hochleistungsbeton revolutionieren derzeit beispielsweise den Brückenbau. Zugleich werden auch Leichtmetalle in den kommenden Jahrzehnten weiter deutlich an Bedeutung gewinnen.
Als Europas größte technisch-wissenschaftliche Gesellschaft für Materialwissenschaft und Werkstofftechnik hat die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V. (DGM) in ihrer nahezu 100-jährigen Geschichte früh einen Schwerpunkt auf Materialien gelegt, die das Leben im wahrsten Sinne des Wortes leichter machen. In vielen der 27 Fachausschüsse, acht Gemeinschaftsausschüsse und mehr als 70 Arbeitskreise spielt das Thema Leichtbau eine entscheidende Rolle.
Dies gilt insbesondere für die Fachausschüsse Aluminium, Magnesium, Titan und Titanlegierungen sowie Metallische Verbundwerkstoffe. Ebenso relevant sind Fachausschüsse wie Hybride Werkstoffe und Strukturen sowie der Gemeinschaftsausschuss Verbundwerkstoffe, den die DGM in Kooperation mit DGG, DGO, DVS, VDI und DKG betreibt. Hinzu kommen Fortbildungsangebote wie Leichtbau im Automobil und Neue Luftfahrt-Werkstoffe sowie die internationale DGM-Tagung LightMAT. Diese dient als Präsentations- und Diskussionsplattform für Forscher, Wissenschaftler und Ingenieure aus Industrie und Wissenschaft, die sich mit Aluminium, Magnesium und Titan sowie deren möglichen Kombinationen beschäftigen.
Nicht zuletzt waren Leichtbau und Konstruktionswerkstoffe ein zentraler Schwerpunkt der von der DGM und dem Stahlinstitut VDEh gemeinsam organisierten WerkstoffWoche im September 2017 auf dem Messegelände in Dresden. Neben Vorträgen und Podiumsdiskussionen konnten die täglich rund 1.000 Besucher in der integrierten Ausstellung zu Werkstoffen der Zukunft anhand praktischer Beispiele erleben, wohin die aktuellen Trends im Leichtbau weisen.
Vor diesem Hintergrund freue ich mich besonders, dass sich der vorliegende Sonderband aus unserer Reihe DGM dIALOG dem Thema Leichtbau widmet. Er bietet damit erneut einen eindrucksvollen Überblick über ein zentrales Thema der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik sowie über ein Herzstück der Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende und erkenntnisreiche Lektüre.
Ihr
Dr.-Ing. Frank O. R. Fischer
Geschäftsführendes Vorstandsmitglied
Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e.V.
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