Universität des Saarlandes
Die “Frankfurter Küche“ ist die Ureinbauküche, die ab Mitte der 1920-er Jahre die großräumige Wohnküche ablösen sollte. Sie wurde von der jungen österreichischen Architektin Margarete Lihotzky, Mitarbeiterin des Architekten und Frankfurter Baudirektors Ernst May, nach dem Vorbild der Mitropa-Speisewagenküche entworfen und in über 12000 Frankfurter Sozialwohnungen eingebaut. Infolge langfristiger Mietverträge werden auch heute noch – stark abgenutzte – Originalexemplare frei, derer sich die 2003 gegründete Ernst-May-Gesellschaft eV in Frankfurt annimmt. Die geborgenen Exemplare werden restauriert und Museen auf der ganzen Welt vermittelt. Nach der Ausstattung des „Max-Liebling-Hauses“ in Tel Aviv im vergangenen Jahr wurde kürzlich auch eine Küche an das Centre Pompidou in Paris geliefert.
Die Frankfurter Küche gab es in mehreren Varianten, die sich in Größe und Anordnung der Bauelemente, aber auch durch die sehr mutige Farbgebung unterschieden. Für den Kunsthistoriker ist heute gerade auch die Farbe zu einem Indiz für das damalige neue gesellschaftsübergreifende Designkonzept geworden. Oft ist die Originalfarbe in späteren Jahren durch Renovierungsanstriche überdeckt worden. Um die Pigmente der Vor- und Hauptanstrichfarbe zu identifizieren, stützen sich die Restauratoren heute vorzugsweise auf die energiedispersive Röntgenanalysetechnik EDX.
Die chemische und strukturelle Analyse der Pigmente wurde bei beiden Küchen in einem korrelativen Ansatz mittels optischer Mikroskopie, Rasterelektronenmikroskopie und EDX durchgeführt und mittels röntgenographischer Phasenanalyse ergänzt. In jeweils zwei Farbschichten – Voranstrich und Hauptanstrich – wurden blaue, weiße und rötlich-braune Pigmente gefunden. Die bestimmende blaue Farbe geht auf künstliches Ultramarin zurück, das schon seit den 1830-er Jahren hergestellt wird, während Zinksulfid und Bariumsulfat als weiße Pigmente die Grundlage für die Farbe bildeten. Durch Beimischung eisenhaltiger Pigmente wurde bei beiden Küchen ein gebrochener, jedoch leicht unterschiedlicher Blauton erreicht. Bei der Farbbestimmung und -nachbildung wurden wir durch den Farbenhersteller CAPAROL aus Darmstadt sehr großzügig begleitet.
Abstract
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