Rückstände (residues) bezeichnen in der Werkstofftechnik verbleibende feste, flüssige oder gasförmige Phasen, die nach einem Prozessschritt im Material oder in der Prozessumgebung zurückbleiben. Sie können aus Edukten, Zwischenprodukten, Abbau- oder Nebenprodukten bestehen und sowohl organischer (z.B. lignozellulosehaltige Rückstände) als auch anorganischer Natur (z.B. Sinterrückstände) sein.
Werkstofftechnisch sind Rückstände entscheidend, da sie Mikrostruktur, chemische Zusammensetzung und Grenzflächenzustand beeinflussen. In metallurgischen Prozessen entstehen etwa Walzprozess-Rückstände oder Schredderrückstände, die Oxide, Sulfide, Abriebpartikel und Verunreinigungen umfassen. In pulvermetallurgischen oder keramischen Systemen werden Sinterrückstände als nicht umgesetzte Ausgangsphasen oder Porenfüllungen verstanden, die Dichte, Festigkeit und Korrosionsverhalten verändern.
Bei kohlenstoffhaltigen Systemen sind Kohlenstoffrückstands-Effekte von Bedeutung: Pyrolyse oder thermische Zersetzung organischer Bindemittel hinterlassen C‑reiche Rückstände, welche die Leitfähigkeit, Benetzbarkeit und Reaktivität von Oberflächen modifizieren. In biobasierten Wertschöpfungsketten stellen lignozellulosehaltige Rückstände potenzielle Sekundärrohstoffe für Faserverbundwerkstoffe, Aktivkohlen oder biobasierte Füllstoffe dar.
Die Charakterisierung von Rückständen erfolgt typischerweise mittels Spektroskopie, Thermoanalyse, Rasterelektronenmikroskopie und Oberflächenanalytik. Für das Prozessdesign sind Herkunft, Morphologie, chemische Stabilität und mögliche Wechselwirkungen mit der Matrix zentral, da Rückstände sowohl gezielt funktionalisierend eingesetzt als auch durch geeignete Prozessführung minimiert oder entfernt werden können.
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