Schnittführung und Sektionen in der werkstoffkundlichen Präparation

Der Begriff Section bzw. Sektion bezeichnet in der Werkstoffkunde das gezielte Abtrennen und Präparieren eines definierten Volumenbereichs eines Werkstücks, um dessen Mikrostruktur oder Defektzustand in einer charakteristischen Ebene zu untersuchen. Die geometrische Lage der Sektion – etwa Längsschnitt, Querschnitt oder beliebig orientierter Schrägschnitt – ist entscheidend für die interpretierbare Darstellung anisotroper Gefüge und beanspruchungsbedingter Schädigungen.

Im Kontext metallographischer Schliffe wird zunächst durch Sectioning ein Probestück aus dem Bauteil entnommen, häufig mittels Trennschleifen unter kontrollierten Randbedingungen, um thermische und mechanische Schädigungen an der Schnittkante zu minimieren. Anschließend folgen Einbetten, Schleifen und Polieren zu einem metallographischen Schliff, dessen Schnittlage die Sicht auf Korngrenzen, Phasenverteilung, Texturen oder Rissausbreitung bestimmt. Analoge Prinzipien gelten für Gewebedünnschnitte in der Biomaterial‑Charakterisierung.

Die Wahl der Sektionsebene ist eng an die Untersuchungszielsetzung gekoppelt. Längsschnitte entlang der Hauptlastrichtung erlauben beispielsweise die Analyse von Deformations- und Risspfaden, während Querschnitte die Querschnittsbeanspruchung, Porosität oder Schichtdickenverläufe erfassen. Mehrere zueinander orientierte Sektionen (Serienschnitte) ermöglichen eine quasi‑dreidimensionale Rekonstruktion komplexer Mikrostrukturen.

Präzise Dokumentation von Schnittlage, Orientierung zum Bauteilkoordinatensystem und Präparationsparametern ist unerlässlich, um Messergebnisse reproduzierbar zuzuordnen und mit numerischen Modellen oder anderen Charakterisierungsmethoden, etwa Tomographie oder EBSD, zu korrelieren.

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