Stabilisatoren bezeichnen im werkstoffwissenschaftlichen Kontext Zusatzstoffe oder Legierungselemente, die gezielt thermodynamische, mechanische oder chemische Stabilität eines Systems beeinflussen. Sie wirken, indem sie Phasengleichgewichte, Reaktionskinetiken oder Abbaumechanismen modifizieren.
In metallischen Werkstoffen werden Stabilisatoren häufig als Phasenstabilisatoren eingesetzt. Klassische Beispiele sind γ‑Stabilisatoren (z. B. Ni, Mn in Stählen), die das kubisch‑flächenzentrierte Austenitfeld erweitern, sowie β‑Stabilisatoren in Titanlegierungen (z. B. Mo, V, Nb), die die kubisch‑raumzentrierte β‑Phase bis Raumtemperatur stabilisieren. Durch gezielte Wahl von Art und Gehalt der Stabilisatoren lassen sich Umwandlungstemperaturen, Gefügezusammensetzung, Ausscheidungsmorphologie und damit Festigkeit, Duktilität und Zähigkeit präzise einstellen.
In polymeren Systemen dienen Stabilisatoren vor allem der Erhöhung der chemischen und physikalischen Langzeitbeständigkeit. Dazu zählen Antioxidantien, Licht‑ und UV‑Stabilisatoren, Wärmestabilisatoren sowie biogene Stabilisatoren, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren. Sie hemmen radikalische Abbauprozesse, verzögern Kettenabbau oder Vernetzung und erhalten so die mechanischen und optischen Eigenschaften während Lager‑ und Einsatzdauer.
Die Auswahl geeigneter Stabilisatoren erfordert die Berücksichtigung von Wirksamkeit, Löslichkeit, Diffusionsverhalten, möglicher Wechselwirkungen mit der Matrix und umwelt- bzw. toxikologischen Aspekten. Moderne Entwicklungen fokussieren auf multifunktionale und nachhaltige Stabilisatorsysteme, die gleichzeitig Performance, Recyclingfähigkeit und regulatorische Anforderungen erfüllen.
© 2026