Vliesstoffe (Nonwovens)

Vliesstoffe (Nonwovens) sind flächige, faserbasierte Werkstoffe, bei denen die Fasern nicht – wie bei Geweben oder Gestricken – durch reguläre Maschen- oder Bindungssysteme verbunden sind, sondern durch mechanische, thermische oder chemische Verfestigungsprozesse. Sie bilden eine eigenständige Werkstoffklasse zwischen klassischen Textilien, Papier und faserverstärkten Verbundwerkstoffen.

Die Herstellung umfasst typischerweise zwei Stufen: (1) Bildung eines Faserflors durch Trockenlegeverfahren (Kardieren, Airlay), Nasslegeverfahren oder Spinnvliesprozesse (Meltblown, Spunbond) sowie (2) Verfestigung durch Vernadelung, Wasserstrahlvernadelung (Spunlace), Kalandrieren, Heißluftverfestigung oder Bindemittelauftragung. Die resultierenden Strukturen können in Porosität, Orientierung und Flächenmasse gezielt eingestellt werden.

Werkstoffwissenschaftlich sind Faserart (z. B. Polypropylen, Polyester, Zellulose, Biopolymere), Faserfeinheit und -länge, Bindemechanismus sowie die hierarchische Porenstruktur entscheidend für mechanische Eigenschaften (Zugfestigkeit, Weiterreißfestigkeit), Filtrationseffizienz, Sorptionsverhalten und thermische sowie akustische Dämpfung. Grenzflächenphänomene spielen insbesondere bei funktionalisierten und beschichteten Vliesstoffen eine zentrale Rolle.

Biobasierte und biologisch abbaubare Vliesstoffe gewinnen an Bedeutung, etwa auf Basis von PLA oder regenerierter Cellulose, um ökologische Anforderungen zu erfüllen. Vliesstoffverbunde, bei denen Nonwovens mit Folien, Schäumen oder Geweben laminiert werden, erweitern das Eigenschaftsspektrum für Anwendungen in Filtration, Medizin, Hygiene, Leichtbau und Bauwesen.

© 2026