Sprödigkeit bezeichnet die Neigung eines Werkstoffs, unter mechanischer Belastung ohne nennenswerte plastische Verformung zu versagen, typischerweise durch schnelle Rissausbreitung. Spröde Werkstoffe zeigen geringe Bruchdehnung und eine hohe Kerbempfindlichkeit; der Bruch erfolgt überwiegend transkristallin oder interkristallin entlang bevorzugter Schwächezonen.
Mechanistisch ist Sprödigkeit durch eine eingeschränkte Versetzungsbewegung charakterisiert. Ursachen sind etwa hoher kovalenter oder ionischer Bindungsanteil (z.B. Keramiken), niedrige Temperatur (Übergang zum spröd‑zähen Verhalten in Stählen), hohe Dehnraten oder ungünstige Mikrostrukturen wie spröde Ausscheidungen und Sprödphasenbildung an Korngrenzen. Lokale Sprödzonen, etwa mangelhafte Schweißnahtbereiche oder segregationsreiche Randzonen, können das globale Bauteilverhalten dominieren.
Heißbrüchigkeit ist eine besondere Form der Sprödigkeit im erhöhten Temperaturbereich, typischerweise nahe der Solidustemperatur, verursacht durch niedrig schmelzende Filme an Korngrenzen oder Schmelzfilme im Rahmen von Warmumform- oder Schweißprozessen. Sie führt zu Rissbildung unter Zug- oder Biegebeanspruchung trotz scheinbar duktiler Grundmatrix.
Werkstofftechnisch ist die Quantifizierung der Sprödigkeit eng mit Kennwerten wie Bruchzähigkeit (KIC), Kerbschlagarbeit (Charpy-V), Übergangstemperatur und kritischer Rissöffnung verknüpft. Die Beherrschung spröden Versagens erfordert gezieltes Legieren, Wärmebehandlung, Reinheits- und Texturkontrolle sowie konstruktive Maßnahmen zur Spannungsreduktion und Kerbvermeidung.
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