Korrekturen in der experimentellen Werkstoffcharakterisierung

In der materialwissenschaftlichen Experimentierung bezeichnen Korrekturen systematische numerische oder algorithmische Anpassungen von Messdaten, um Störeinflüsse, Artefakte oder instrumentelle Nichtidealitäten zu kompensieren. Ziel ist die Annäherung der Messwerte an die wahre materialphysikalische Größe, unter Wahrung der Rückführbarkeit und Abschätzung der Messunsicherheit.

Typische Klassen von Korrekturen umfassen: (i) Instrumentelle Korrekturen, z. B. Verzerrungs- und Aberrationskorrektur in der Elektronenoptik, Shading-Korrektur in der Bildgebung oder Hysteresekorrektur in magnetischen und ferroelektrischen Messungen; (ii) Proben- und Matrixeffektkorrekturen, etwa Matrixeffektekorrektur und Massendiskriminierungskorrektur in der spektrometrischen Analytik, inklusive Isotopenverhältniskorrektur und Interferenzkorrektur; (iii) Mechanische und bruchmechanische Korrekturen, wie Rissspitzenkorrekturen zur Berücksichtigung endlicher Probengeometrien, von Plastizone oder Fehljustage.

Methodisch basieren Korrekturen auf physikalisch motivierten Modellen (z. B. Elektronenbahnen im aberrationskorrigierten TEM), empirischen Kalibrierfunktionen oder numerischen Rekonstruktionsverfahren. Eine saubere Unterscheidung zwischen Korrektur, Kalibrierung und Datenfilterung ist essenziell, da Korrekturen systematische Fehler kompensieren, aber keine mangelhafte Versuchsdurchführung rechtfertigen. Jede Korrektur erfordert Validierung, Angabe der Randbedingungen und Quantifizierung der eingeführten Unsicherheiten, um die Vergleichbarkeit von Werkstoffdaten sicherzustellen.

Neue Inhalte

Beliebte Inhalte

© 2026