Ökonomie im Kontext technischer Werkstoffe bezeichnet die systematische Analyse von Kosten, Nutzen und Risiken entlang des gesamten Lebenszyklus eines Materials oder Bauteils. Sie ergänzt rein physikalisch-chemische Betrachtungen um monetäre Bewertungsgrößen und bildet die Grundlage für fundierte Entscheidungen in Forschung, Entwicklung und industrieller Anwendung.
Zentrale ökonomische Kenngrößen sind Investitionskosten (z.B. Anlagen, Werkzeuge), variable Produktionskosten (Rohstoffe, Energie, Personal), Qualitäts- und Ausfallkosten sowie Rückbau- und Recyclingkosten. Für Werkstoffsysteme werden diese meist in Life-Cycle-Costing-Analysen integriert, die Herstellung, Nutzung, Wartung und End-of-Life-Phase gemeinsam bewerten.
Ökonomische Analysen berücksichtigen außerdem Opportunitätskosten (z.B. längere Prozesszeiten vs. höhere Ausbringung), Skaleneffekte (Seriengröße, Automatisierungsgrad) und Risikoaspekte wie Preisvolatilität kritischer Rohstoffe. In der Werkstoffauswahl werden so mechanische und funktionale Kennwerte mit Kennzahlen wie Kosten pro Leistungskennwert (z.B. €/kg, €/MPa, €/Leitfähigkeitseinheit) verknüpft.
In der F&E-Strategie unterstützt die Ökonomie die Priorisierung zwischen inkrementeller Optimierung bestehender Werkstoffe und disruptiven Neuentwicklungen, etwa über Kapitalwert- oder Break-even-Analysen. Zunehmend werden externe Effekte – z.B. Umwelt- und Ressourcenkosten – über Ökokonten oder CO₂-Bepreisung internalisiert, was die Bewertung von Leichtbaukonzepten, Substitution kritischer Rohstoffe und zirkuläre Wertschöpfungsketten stark beeinflusst.
Damit bilden ökonomische Konzepte ein unverzichtbares Bindeglied zwischen materialwissenschaftlicher Exzellenz und industrieller Umsetzbarkeit.
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