Identifikation in der Werkstofftechnik bezeichnet die systematische Zuordnung beobachteter Daten zu einem Material, einer Struktur oder einem Modell. Sie umfasst sowohl die eindeutige Wiedererkennbarkeit eines Objekts (z. B. Charge, Probe, Bauteil) als auch die Bestimmung von Materialparametern und -klassen aus Messdaten.
Ein zentraler Aspekt ist die Parameteridentifikation: Aus experimentellen Daten (z. B. Spannungs-Dehnungs-Kurven, Kriechversuche, dynamisch-mechanische Analysen) werden Modellparameter für Werkstoffgesetze abgeleitet. Dies erfolgt häufig über inverse Verfahren, Optimierung oder moderne Ansätze wie Sparse Identification of Nonlinear Dynamics (SINDy), um geeignete Modellgleichungen und Parameter simultan zu bestimmen.
Auf struktureller Ebene umfasst Identifikation etwa die Bestimmung von Kristallstrukturen mittels Beugungsmethoden oder Bildanalyse, die Detektion von Phasen und Defekten sowie die Identifikation von Verbundarchitekturen (Faserorientierung, Schichtaufbau). Für Polymere schließt sie die Polymer-Typ-Bestimmung durch spektroskopische, thermische oder chromatographische Signaturen ein.
Daneben spielt die eindeutige Objektkennzeichnung eine wachsende Rolle: RFID-basierte Identifikation, Laserbeschriftung, digitale Objektidentifikatoren und weitere Unique-Identifier-Technologien sichern die Rückverfolgbarkeit von Proben, Materialien und Daten in Labor- und Produktionsketten. Präzise Identifikation ist damit eine Voraussetzung für reproduzierbare Werkstoffforschung, belastbare Modellkalibrierung und qualitätssichere industrielle Anwendungen.
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