Integrität bezeichnet im werkstofftechnischen Kontext den Zustand, in dem ein Werkstoff, Bauteil oder eine Struktur seine vorgesehene Funktion über die geforderte Lebensdauer unter definierten Einsatzbedingungen zuverlässig erfüllt. Sie umfasst das Zusammenwirken von Gefüge, Mikrostruktur, Oberflächenzustand, Geometrie und Fügeprozessen im Hinblick auf Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Sicherheit.
Man unterscheidet u. a. Strukturintegrität (structural integrity), die Fähigkeit eines Bauteils, erwartete Lasten ohne Versagen zu ertragen, mechanische Integrität, fokussiert auf mechanische Beanspruchungen wie Ermüdung, Kriechen oder Bruch, sowie Oberflächenintegrität, die Einflüsse von Bearbeitung, Randschichtzustand, Eigenspannungen und Defekten an der Oberfläche adressiert. Fügeintegrität beschreibt die Zuverlässigkeit von Schweiß-, Löt- und Klebverbindungen.
Die Bewertung der Integrität erfolgt häufig bruchmechanisch, z. B. über K_IC, Risswachstumsraten oder zulässige Fehlstellen, sowie mittels zerstörungsfreier Prüfungen. Bei sicherheitsrelevanten Komponenten wie Turbinenscheiben oder drucktragenden Behältern sind Integritätsnachweise unter Berücksichtigung von Hochtemperatur-Kriechen, thermischer Ermüdung und Korrosion essenziell. Strukturintegrität bei hohen Temperaturen erfordert zudem zeit- und temperaturabhängige Werkstoffmodelle.
Integritätskonzepte verbinden Werkstoffwissenschaft, Fertigungstechnik, Auslegung und Inspektion in einem lebensdauergerechten, häufig probabilistischen Sicherheitskonzept, das von der Werkstoffauswahl über die Prozessführung bis zur Zustandsüberwachung im Betrieb reicht.
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