Im Kontext der Werkstofftechnik bezeichnet Inventar bzw. Inventories die systematische, quantitativ und qualitativ erfasste Gesamtheit aller Werkstoffe, Halbzeuge, Bauteile und Hilfsstoffe innerhalb eines technischen oder industriellen Systems. Ein Materialinventar bildet die strukturierte Datengrundlage über Art, Menge, Spezifikation, Lagerort und gegebenenfalls Chargen- bzw. Losnummern der vorhandenen Materialien.
Für Forschung und Entwicklung ist ein präzises Inventar entscheidend, um Reproduzierbarkeit von Experimenten sicherzustellen, Materialchargen rückzuverfolgen und Stoffströme in Prozessketten zu bilanzieren. In der industriellen Anwendung unterstützt das Inventar das Produktionsplanungs- und Steuerungssystem (PPS/MES), insbesondere hinsichtlich Verfügbarkeit kritischer Werkstoffe, Minimierung von Sicherheitsbeständen sowie Reduktion von Ausschuss und Veralterung (z.B. bei Vorimprägnaten oder Pulvern mit begrenzter Haltbarkeit).
Moderne Materialinventare sind typischerweise digital implementiert und mit Werkstoffdatenbanken, ERP-Systemen und Qualitätsmanagement verknüpft. Relevante Attribute umfassen neben chemischer Zusammensetzung und Normbezeichnung (z.B. EN, ASTM) auch Eigenschaften wie Korngröße, Reinheit oder Wärmebehandlungszustand. In Nachhaltigkeits- und Lebenszyklusanalysen (LCA) dient das Inventar als Basis für Stoffflussanalysen, CO₂-Bilanzen und die Planung von Rückgewinnungs- und Recyclingstrategien.
Damit ist das Inventar nicht nur ein betriebswirtschaftliches Werkzeug, sondern eine zentrale technische Informationsressource für die zuverlässige Auslegung, Qualifizierung und Nachverfolgung von Werkstoffen über ihren gesamten Lebenszyklus.
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