Der Begriff Issue bezeichnet in einem wissenschaftlich‑technischen Kontext ein klar abgegrenztes Problem, Risiko oder eine Abweichung, die den Entwicklungs‑, Prüf‑ oder Einsatzprozess eines Werkstoffs beeinflusst. Im Unterschied zu zufälligen Beobachtungen ist ein Issue typischerweise reproduzierbar, dokumentiert und mit einer spezifischen Entscheidung oder Maßnahme verknüpft.
In der Werkstofftechnik umfasst dies unter anderem: (1) Werkstoffbezogene Issues wie unerwartete Phasenumwandlungen, Alterungsphänomene, Korrosionsanfälligkeit oder Streuungen mechanischer Kennwerte. (2) Prozessbezogene Issues wie Inhomogenitäten durch unzureichend kontrollierte Wärmebehandlung, Segregationen beim Gießen oder Defektbildung beim Additive Manufacturing. (3) Anwendungsbezogene Issues wie Versagensmodi unter realen Lastkollektiven, Umwelt- oder Strahlungseinflüssen.
Wesentlich ist die systematische Handhabung von Issues: Identifikation (z.B. durch zerstörende und zerstörungsfreie Prüfung), Ursachenanalyse (Fraktographie, Mikrostruktur- und Chemieanalytik), Bewertung hinsichtlich Funktion, Sicherheit und Normkonformität sowie Ableitung von Maßnahmen (Designänderung, Prozessanpassung, Spezifikationsmodifikation). In komplexen Projekten werden Issues häufig in formalen Issue‑Tracking‑Systemen erfasst, priorisiert und über den gesamten Lebenszyklus eines Werkstoffs verfolgt.
Eine präzise Definition und Dokumentation von Issues ist entscheidend für Rückverfolgbarkeit, Reproduzierbarkeit und die belastbare Bewertung von Zuverlässigkeit und Lebensdauer von Werkstoffen und Bauteilen.
© 2026