Der Begriff Medium (Plural: Medien) bezeichnet in den Werkstoff- und Materialwissenschaften allgemein die Phase oder Umgebung, in der ein Werkstoff vorliegt, geprüft oder eingesetzt wird, bzw. die Phase, durch die Stoff- oder Energieübertragungen erfolgen. Medien können gasförmig, flüssig oder fest sein und interagieren chemisch, physikalisch oder biologisch mit dem untersuchten Material.
In der Korrosions‑ und Oberflächentechnik beschreibt das Medium die umgebende Phase, z. B. ein saures Medium mit definierter pH‑Wert‑Einstellung und Ionenzusammensetzung, in dem Korrosionsprozesse, Passivierung oder Lösungsreaktionen untersucht werden. Die genaue Charakterisierung des Mediums (pH, Ionenstärke, Redoxpotential, Temperatur, Sauerstoffgehalt) ist entscheidend für die Reproduzierbarkeit und Übertragbarkeit von Messergebnissen.
In der Polymer‑ und Kolloidwissenschaft fungiert das Medium als Dispersionsphase, etwa bei Suspensionen, Emulsionen oder Gelen. Seine Viskosität, Polarität und Dielektrizitätskonstante beeinflussen Struktur, Stabilität und Transportprozesse der dispergierten Phase.
In der Bio- und Gewebetechnik bezeichnen Kulturmedien komplex zusammengesetzte Lösungen, die das Überleben und Wachstum von Zellen ermöglichen. Ein wichtiges Beispiel ist Dulbecco's Modified Eagle Medium (DMEM), ein standardisiertes Zellkulturmedium mit definierten Konzentrationen an Salzen, Aminosäuren, Vitaminen, Glukose und Puffersubstanzen. Solche Medien werden gezielt eingesetzt, um die Interaktion von Biomaterialien mit Zellen unter kontrollierten, physiologisch relevanten Bedingungen zu untersuchen.
Insgesamt ist die präzise Definition und Dokumentation des verwendeten Mediums unverzichtbar, da es die chemische, mechanische und biologische Beanspruchung eines Materials wesentlich bestimmt und damit die Interpretation experimenteller Ergebnisse maßgeblich beeinflusst.
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