In der Werkstoffwissenschaft bezeichnet der Begriff Objekt typischerweise eine wohldefinierte Einheit, auf die sich Beobachtung, Beschreibung oder Modellierung richtet. Dies kann ein reales physikalisches Gebilde (z. B. Korn, Ausscheidung, Riss, Probe) oder ein abstraktes, in Simulations- und Datenmodellen definiertes Entität sein.
In der Computermodellierung und im wissenschaftlichen Programmieren werden Objekte im Sinne der objektorientierten Programmierung genutzt. Ein Objekt kapselt dabei Daten (z. B. Materialparameter, Gefügemorphologie, Randbedingungen) und zugehörige Operationen (z. B. Konstitutivgleichungen, Evolutionsgesetze, Auswertungsroutinen). Dies ermöglicht die modulare, wiederverwendbare und erweiterbare Implementierung komplexer Modelle, etwa für finite‑Element‑Materialkarten, Phasenfeldsimulationen oder diskrete Versetzungsdynamik.
In experimentellen Kontexten wird der Objektbegriff verwendet, um untersuchte Einheiten systematisch zu definieren, etwa einzelne Volumenelemente in der 3D‑Tomographie, Partikel in Verbundwerkstoffen oder Nanostrukturen in Dünnschichten. Eine präzise Objektdefinition ist entscheidend für Reproduzierbarkeit, statistische Auswertung und die Verknüpfung von Messdaten mit Simulationsmodellen.
Zusammenfassend fungiert das Objekt als konzeptuelle und technische Grundeinheit, welche die formale Beschreibung von Werkstoffen über Skalen und Methoden hinweg strukturiert.
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