Öl bezeichnet in der Werkstofftechnik eine Gruppe überwiegend organischer, bei Raumtemperatur flüssiger, hydrophober Medien mit niedriger Verdampfungsrate. Sie dienen sowohl als Hilfsstoffe (z.B. Schmier‑, Kühl‑ und Hydraulikmedien) als auch als Rohstoffe für Polymere, Kohlenstoffmaterialien und Verbundwerkstoffe.
Technisch werden vor allem zwei Hauptklassen unterschieden: Mineralöle und Biogene Öle. Mineralöle werden aus Erdölfraktionen gewonnen und weiter in paraffinische und naphthenische Öle unterteilt, deren Viskositäts‑, Oxidations‑ und Tieftemperatureigenschaften gezielt eingestellt werden. Sie sind essenziell als Schmieröle für Lager, Getriebe und Umformprozesse sowie als Wärmeübertragungs‑ und Isolieröle.
Biogene Öle, etwa Pflanzenöle wie Raps‑ oder Palmöl, bestehen primär aus Triglyceriden und gewinnen als nachhaltige Schmier‑, Polymer‑ und Weichmacherrohstoffe an Bedeutung. Gebrauchtes Frittieröl und andere Restöle dienen zunehmend als Einsatzstoff für Pyrolyseöl, das als komplexes Kohlenwasserstoffgemisch Plattformchemikalien für Harze, Kohlenstofffasern und Beschichtungen liefern kann.
Ätherische Öle sind flüchtigere, meist niedermolekulare Terpen‑ oder Aromatenmischungen. In der Werkstofftechnik spielen sie vor allem als Reaktivverdünner, Lösungsmittel oder Additive (z.B. Korrosionsinhibitoren) eine Rolle.
Für anwendungsnahe Werkstoffsysteme sind insbesondere Viskositäts‑Temperatur‑Verhalten, thermische und oxidative Stabilität, Grenzflächenwechselwirkung zu Metallen, Polymeren und Keramiken sowie Umwelt‑ und Toxizitätsprofile entscheidend. Aktuelle Forschung fokussiert auf biobasierte und recycelte Öle mit definierter Molekulararchitektur, um Schmierleistung, Alterungsbeständigkeit und ökologische Bilanz gleichzeitig zu optimieren.
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