Der Begriff Ordnung bzw. Orderings beschreibt in der Werkstoffwissenschaft den Grad und die Art der räumlichen Anordnung von Atomen, Ionen oder Dipolen in einem Festkörper. Man unterscheidet hierbei zwischen Kurzstreckenordnung (lokale Korrelationen benachbarter Plätze) und Langstreckenordnung (periodische Struktur über viele Gitterkonstanten hinweg). Ordnung ist zentral für das Verständnis von Struktur‑Eigenschafts‑Beziehungen.
Chemische Ordnung bezeichnet die nicht-zufällige Verteilung unterschiedlicher Atomsorten auf Gitterplätzen, etwa Kationenordnung in Doppelperowskiten oder Legierungen. Sie lässt sich durch einen Ordnungsparameter quantifizieren, der kontinuierlich von vollständig ungeordnet (0) bis vollständig geordnet (1) variiert. Sauerstoffordnung in Oxiden ist ein Spezialfall, bei dem die Besetzung von Sauerstoffzwischenplätzen strukturelle und funktionelle Eigenschaften (z.B. Ionentransport, Supraleitung) maßgeblich steuert.
Neben atomarer und ionischer Ordnung spielen Elektrische Dipolordnungen eine zentrale Rolle, etwa in ferroelektrischen Materialien, in denen sich Dipole spontan parallel ausrichten und so makroskopische Polarisation erzeugen. Analoge Konzepte gelten für magnetische Ordnung (Ferro-, Antiferromagnetismus).
Ordnung‑Unordnung‑Wechselwirkungen sind thermodynamisch durch freie‑Energie‑Beiträge aus Enthalpie (Wechselwirkungsenergien) und Entropie (Konfigurationsvielfalt) bestimmt. Ordnungs‑Unordnungs‑Übergänge sind häufig temperaturgetriebene Phasenübergänge erster oder zweiter Ordnung und werden mittels Streumethoden (Röntgen-, Neutronenbeugung), Spektroskopie oder thermischer Analytik charakterisiert.
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