Erweichung bezeichnet in der Werkstoffkunde die Abnahme von Festigkeit, Härte oder Steifigkeit eines Werkstoffs infolge externer oder interner Einflüsse. Sie manifestiert sich makroskopisch durch erhöhte plastische Verformbarkeit oder reduzierte Fließ- bzw. Bruchspannung.
Thermische Erweichung tritt mit steigender Temperatur auf, wenn sich Diffusionsprozesse, Versetzungsbewegung und ggf. Phasenumwandlungen verstärken. Charakteristisch sind hier Kenngrößen wie Erweichungstemperatur, Glasübergangstemperatur (bei Polymeren) oder die Temperaturabhängigkeit der 0,2%-Dehngrenze bei Metallen.
Mechanische Erweichungsphänomene umfassen z.B. dynamisches Erweichen unter zyklischer oder schlagartiger Belastung. Akustische Erweichung und Ultraschallweichung sind Sonderfälle, bei denen hochfrequente elastische Wellen die Versetzungsdichte und -beweglichkeit beeinflussen und so lokal die Fließspannung reduzieren.
Erweichung durch feste Lösung (solid solution softening) steht im Gegensatz zur klassischen Mischkristallhärtung. Sie kann auftreten, wenn gelöste Atome Gitterfehler oder Versetzungsstrukturen stabilisieren, die das Fließen erleichtern, oder wenn sich elastische Wechselwirkungen von Fremd- und Matrixatomen kompensieren.
Die präzise Charakterisierung von Erweichungsprozessen ist für Hochtemperaturanwendungen, Ermüdungsauslegung, akustische Verfahrenstechnik sowie für das Design thermomechanischer Behandlungsrouten essenziell. Sie erfordert gekoppelte mechanische, thermische und mikrostrukturelle Analysen.
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