Supraleiter: Grundlagen und Anwendungsaspekte

Supraleiter sind Materialien, die unterhalb einer charakteristischen kritischen Temperatur Tc einen elektrischen Widerstand von praktisch Null aufweisen und gleichzeitig das Magnetfeld aus ihrem Inneren verdrängen (Meißner-Ochsenfeld-Effekt). Diese makroskopische Quantenphase beruht auf der Bildung von Cooper-Paaren, also korrelierten Elektronenpaaren, die sich kohärent in einem quantenmechanischen Grundzustand bewegen.

Materialwissenschaftlich werden Supraleiter nach ihrer Kristallstruktur, ihrem elektronischen Antriebsmechanismus sowie nach Tc, kritischem Magnetfeld Hc und kritischer Stromdichte Jc klassifiziert. Konventionelle Supraleiter (z. B. NbTi, Nb3Sn, MgB2) folgen im Wesentlichen der BCS-Theorie mit phononenvermittelter Paarbildung. Unkonventionelle bzw. Hochtemperatursupraleiter, wie kuprat- und eisenbasierte Supraleiter, zeigen komplexe Anisotropie, starke Korrelationen und teilweise noch ungeklärte Paarungsmechanismen.

Für technische Anwendungen – etwa in Magnetresonanztomographie, Fusionsmagneten, Teilchenbeschleunigern oder verlustarmen Kabeln – sind neben hohen Jc-Werten insbesondere mechanische Robustheit, Texturierbarkeit und Prozessierbarkeit zu Drähten oder Bändern entscheidend. Grenzflächen- und Defektengineering (z. B. kontrollierte Versetzungs- oder Nanopartikel-Einbringung) dient der Optimierung der Flusspin-Nutzung und damit der Stabilisierung supraleitender Ströme in hohen Magnetfeldern.

Die Entwicklung neuer Supraleiter – einschließlich MgB2-Drähte sowie eisenbasierter und weiterer Hochtemperatursupraleiter – bleibt ein aktives Feld, in dem elektronische Struktur, Mikrostruktur und Herstellungsrouten eng verzahnt untersucht werden, um die Lücke zwischen fundamentaler Supraleitungsphysik und großskaliger Anwendung weiter zu schließen.

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