Der Begriff Agent bezeichnet in der Werkstofftechnik meist eine niedermolekulare oder polymere Spezies, die gezielt in ein System eingebracht wird, um eine bestimmte Funktion auszuüben, ohne selbst notwendigerweise Hauptbestandteil des Werkstoffes zu sein. Typische Beispiele sind Treibmittel, antimikrobielle Mittel, Vernetzer, Initiatoren oder Dispergierhilfsmittel.
Chemische und physikalische Agenten. Treibmittel (z. B. wasserbasierte oder hochfluorierte Treibmittel) wirken als Agenten zur Porenbildung in Polymeren, Elastomeren oder Metallschäumen. Sie setzen bei definierten Temperaturen Gase frei und steuern damit Dichte, Zellstruktur und mechanische Eigenschaften. Umweltfreundliche antimikrobielle Mittel sind Agenten, die durch chemische oder physikalische Mechanismen (z. B. Ionenaustausch, reaktive Sauerstoffspezies) die mikrobielle Besiedlung von Oberflächen inhibieren, ohne die Matrixstruktur signifikant zu verändern.
Funktionale Rolle im Werkstoffsystem. Agenten werden in geringen Konzentrationen formuliert, ihre Wirksamkeit hängt von Löslichkeit, Diffusionsverhalten, Kompatibilität mit der Matrix und thermischer Stabilität ab. In Mehrphasensystemen beeinflussen sie Grenzflächenenergie, Benetzung und Phasenmorphologie. Ihre Auswahl erfordert eine Balance zwischen Performance, Verarbeitungsfenster, Alterungsbeständigkeit und Umweltverträglichkeit.
Digitale bzw. ontologiegesteuerte Agenten. Im Kontext simulationsgestützter Werkstoffentwicklung bezeichnen Agenten auch softwarebasierte, ontologiegesteuerte Einheiten, die Wissen über Materialien, Prozesse und Eigenschaften formal repräsentieren und autonome Entscheidungen oder Optimierungen durchführen. Sie unterstützen z. B. die Auswahl geeigneter chemischer Agenten in komplexen Formulierungen.
Die präzise Definition, Modellierung und Charakterisierung von Agenten ist zentral für das Verständnis und die gezielte Einstellung von Struktur‑Eigenschafts‑Beziehungen moderner Werkstoffe.
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