Begriff und Einordnung: Als Feedstock wird in den Werkstoffwissenschaften jeder stoffliche Ausgangsstrom bezeichnet, der gezielt in einen Herstellungs‑ oder Umwandlungsprozess eingespeist wird, um daraus Werkstoffe, Zwischenprodukte oder Energie zu generieren. Im Unterschied zu Endprodukten ist ein Feedstock durch seine Eignung für weitere Prozessschritte charakterisiert (chemische Zusammensetzung, Partikelmorphologie, Reinheit, Rheologie u.a.).
Typen von Feedstocks: Klassische Beispiele sind Polymergranulate für Extrusion oder Spritzguss, Metall- und Keramikpulver-Binder-Gemische für Powder Injection Moulding, Sinterpulver für Additive Fertigung, sowie petrochemische Fraktionen wie Naphtha für Polymerisationsprozesse. Zunehmend gewinnen biobasierte Feedstocks (z.B. Lignocellulose, Pflanzenöle, PLA- oder PHA-Vorprodukte) an Bedeutung, um fossile Rohstoffe zu substituieren.
Eigenschaften und Spezifikation: Kritische Parameter sind chemische Reinheit (Spurenelemente, Restfeuchte), physikalische Eigenschaften (Korngrößenverteilung, Dichte, Fließfähigkeit), thermische Stabilität und Verarbeitungsfenster. Diese bestimmen Prozessstabilität, Ausbeute, Gefügeentwicklung und letztlich die Bauteileigenschaften.
Feedstock-Herstellung und -Entwicklung: Unter Feedstock-Herstellung versteht man die Aufbereitung der Rohstoffe zu prozessgerechten Ausgangsstoffen, etwa durch Mahlung, Klassierung, Mischen mit Bindern oder funktionalen Additiven. Die Feedstock-Entwicklung zielt darauf ab, Zusammensetzung und Mikrostruktur so zu optimieren, dass Prozessfenster erweitert, Energiebedarf reduziert und Eigenschaften (z.B. Zähigkeit, Korrosionsbeständigkeit, Recyclingfähigkeit) verbessert werden.
Rolle im nachhaltigen Werkstoffsystem: Die Wahl geeigneter Feedstocks ist zentral für Lebenszyklusbewertung, CO₂-Fußabdruck und Kreislaufführung. Rezyklate und biobasierte Ausgangsstoffe erfordern angepasste Prozessfenster und Qualitätskontrolle, eröffnen jedoch erhebliche Potenziale zur Dekarbonisierung der Werkstoffproduktion.
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