Interlocking bezeichnet die form- und oftmals auch topologiebedingte Verriegelung von zwei oder mehr Festkörpern, bei der Lastübertragung primär über geometrische Ineinandergreifung erfolgt. Im Unterschied zu rein adhäsiven oder kohäsiven Verbindungen beruht Interlocking auf der Relativbewegungshemmung durch gezielte Oberflächen- oder Volumengeometrien.
Im engeren Sinne umfasst mechanische Verzahnung makroskopische und mikroskopische Strukturen, etwa Rauheiten, Hinterschneidungen oder profilierte Partikel, die Scher- und Zuglasten durch Formschluss übertragen. Dies ist zentral für Verbundwerkstoffe (z.B. Faser-Matrix-Grenzflächen), Beschichtungen, Klebverbindungen mit aufgerautem Substrat sowie Fügeverfahren wie Hinterschnittanker oder Press- und Schrumpfsitze.
Topologische Verriegelung ist eine spezielle Ausprägung des Interlockings, bei der die Unlösbarkeit der Verbindung aus der globalen Anordnung und Verknüpfung der Körper resultiert und nicht ohne topologische Operation (z.B. Durchtrennen) aufgehoben werden kann. Beispiele sind dreidimensional verschlungene Bauteilgeometrien, verschachtelte Keramiken oder metamaterialartige Gitterstrukturen, die ohne zusätzliche Fügemittel stabil sind.
Wesentliche Kenngrößen interlockender Systeme sind Kontaktfläche, lokale Spannungszustände, Reibkoeffizienten, Grad der Hinterschneidung und Defektpopulation an den Grenzflächen. Numerische Methoden (FEM, Diskrete-Elemente-Methoden) werden zur Simulation der Lastpfade und Versagensmechanismen eingesetzt. Für das Design moderner Verbunde und additiv gefertigter Strukturen ist Interlocking ein zentrales Konzept zur Einstellung von Steifigkeit, Zähigkeit, Delaminationsbeständigkeit und Ermüdungsverhalten.
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