Der Begriff Form bzw. Gießform (engl. mold/mould) bezeichnet ein Werkzeug, das die äußere Geometrie eines Bauteils während eines Formgebungsprozesses definiert. In der Werkstofftechnik werden Formen für Metalle, Keramiken und Polymere eingesetzt und sind für Abgussgenauigkeit, Oberflächenqualität und Gefügeausbildung von zentraler Bedeutung.
Grundsätzlich wird zwischen Dauerformen und Verlorenen Formen unterschieden. Dauerformen (z. B. ofenunabhängige Kokillen aus Gusseisen oder Stahl für Aluminiumguss) werden vielfach wiederverwendet und ermöglichen hohe Maßhaltigkeit, gute Kühlraten und damit feinkörnige Gefüge. Verlorene Formen, etwa Gipsformen oder sandgebundene Formen, werden nach dem Guss zerstört; sie eignen sich für komplexe Geometrien, geringe Stückzahlen und Prototyping.
Polymerformmaterialien (z. B. Silikon- oder Epoxidformen) finden breite Anwendung im Polymerguss und im Replikationsguss für Metalle und Keramiken. Sie erlauben präzise Detailabbildung bei moderaten Temperaturen, sind jedoch hinsichtlich Temperaturstabilität und chemischer Beständigkeit limitiert.
Werkstoffauswahl und Formkonzept bestimmen Wärmeleitung, Erstarrungskinetik, Spannungszustand und Fehleranfälligkeit (z. B. Lunker, Heißrisse). Historisch reichen Formen von mittelalterlichen einteiligen Ton- und Steinformen bis zu heutigen hochkomplexen, CFD-optimierten Kokillen mit integrierter Kühlung und Sensorik. Moderne Entwicklungen fokussieren auf additiv gefertigte Formen mit konturnaher Kühlung, verbesserte Auskleidungen und Beschichtungen zur Beeinflussung von Benetzung, Wärmeübergang und Verschleiß.
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