
Aus dem Tagebuch eines Kongressveranstalters in Zeiten unsicherer Konjunktur:
Mit der Verbundwerkstofftagung vom 1.–4.7. in Wien und der Welt-Titantagung vom 13.–18.7. in Hamburg haben wir das erste Drittel unseres wahrlich umfangreichen Jahresprogramms 2003 erfolgreich bestritten. Mit 700 Teilnehmern waren die Titantagung, mit 230 die Verbundwerkstofftagung sogar überdurchschnittlich gut besucht. Das hat in der Vorbereitungszeit nicht immer so ausgesehen.
Wir hatten uns für dieses Jahr schon früh gefragt, ob uns die ungünstige konjunkturelle Lage zu schaffen machen würde, die ja z. B. bei den großen Messeveranstaltern zu massiven Einbrüchen geführt hat. Bei den Call-for-Papers-Tagungen gibt uns die Zahl der Paper etwa 6 Monate vor der Veranstaltung immer schon einen ersten Eindruck. Ganz unerwartet war dann der Anmeldestand bei allen Tagungen dieses Jahres sogar überdurchschnittlich hoch.
Nur scheinen unsere Erfahrungswerte nicht mehr zu stimmen, von denen wir noch vor ein paar Jahren ausgehen konnten: Weder garantiert ein eingereichtes Paper, dass der Autor auch wirklich teilnimmt, noch „generiert” ein Autor mindestens einen weiteren Teilnehmer.
Die Titantagung mit ihrem internationalen Publikum vor allem aus den „Titan-Ländern” USA, England, Russland, Japan, Frankreich, China (neben Deutschland) und ihrer starken Ausrichtung auf die Luft- und Raumfahrt war hier besonders kritisch: Der Irakkrieg stellte vorübergehend die Teilnahme von Vertretern vor allem der kriegsbeteiligten Staaten ernsthaft in Frage, so dass schon Wünsche nach einer Verschiebung der Veranstaltung laut wurden. Wenige Wochen später verunsicherte die Krankheit SARS die Vertreter aus Fernost, die sich bereits mit großen Kontingenten angemeldet hatten.
Am Ende wurden 450 der 580 ursprünglich eingereichten Paper vorgetragen, die dann immerhin noch 250 zusätzliche Teilnehmer nach Hamburg lockten. Aber das wussten wir wirklich erst im Laufe der Tagung, wodurch die Planung und Finanzierung immer wieder durcheinander gewirbelt wurden.
Die Teilnehmerzahlen an den Welt-Titan-Tagungen der letzten 20 Jahre ist bis herunter auf die Kontingente der einzelnen Länder gut dokumentiert, so dass wir heute feststellen können, dass uns nach San Diego 1992 die zweitgrößte Veranstaltung der Serie gelungen ist, und dies mit dem geringsten Inländeranteil und dem höchsten Anteil von Teilnehmern aus „Nicht-Titan-Ländern”. Bei der Zahl der Paper sind wir absolut und mit 65 % relativ zur Teilnehmerzahl dagegen einsame Spitze.
Luftfahrt und marine Anwendungen dominieren traditionell den Markt dieses „Metalles der Götter”. Ihre Bedeutung vergrößert sich noch, aber „Emerging Markets” – Medizin, Automobil, Architektur, Sportgeräte – drängen nach vorn. Die Automobilfirmen – ganz ungewohnt in dieser Nischenrolle – suchen nach kostengünstigen Lösungen für ihre Massenanwendung, wie überhaupt am Ende resümiert wurde: „Cost is the biggest driver”. Es ist schön, dass unsere Tagung Trends sichtbar gemacht hat.
Der fünfteilige Tagungsband erscheint Ende des Jahres bei Wiley-VCH. Für die Folgetagung in 2007 hat sich Kyoto, Japan, qualifiziert.
Wir wenden uns gleich morgen unserem zweiten Veranstaltungsdrittel dieses Jahres zu, in das vor allem die Euromat fällt, die vom 1.–5.9. in Lausanne stattfinden wird und mit ursprünglich 1720 eingereichten Beiträgen die Titantagung deutlich überragt, leider vermutlich auch, was ihre Berechenbarkeit angeht. Wir werden sehen.
Ihr
Peter Paul Schepp
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