Der Begriff Dicke (engl. thickness) bezeichnet in den Materialwissenschaften das Maß einer ausgedehnten Struktur in Richtung ihrer kleinsten Abmessung. Sie ist eine fundamentale geometrische Kenngröße, da zahlreiche mechanische, thermische, elektrische und diffusionsbedingte Eigenschaften stark von der Dicke abhängen.
Typische Anwendungsfälle umfassen die Schichtdicke von Beschichtungen und Dünnfilmen, die Probendicke bei mechanischen Prüfungen, die Wandstärke von Rohren oder Hohlkörpern sowie spezifische Größen wie Schmierfilmdicke in Tribokontakten oder dielektrische Dicke von Isolationsschichten. Auf mikroskopischer Ebene ist etwa die Zellwanddicke in biologischen oder faserbasierten Verbundsystemen relevant.
Die Dicke beeinflusst u. a. Beulverhalten, Bruch- und Ermüdungsfestigkeit, Wärmeleit- und Wärmedurchgangskoeffizienten sowie elektrische Feldverteilungen und Durchschlagsfestigkeiten. In Dünnschichten bestimmen Dicken im Nano- bis Mikrometerbereich oft optische Eigenschaften (Interferenz, Absorption) und das Versagensverhalten (Rissinitiierung, Delamination).
Die Dickenänderung unter mechanischer, thermischer oder chemischer Belastung ist ein wichtiger Indikator für Deformation, Verschleiß, Korrosion oder Quellung. Dickenabschätzung und -messung erfolgen u. a. mittels taktiler Verfahren, optischer Profilometrie, Ultraschall, Röntgen- oder Ellipsometrie, jeweils mit spezifischer Auflösung und Eindringtiefe. Eine präzise Definition der Messrichtung, Bezugsflächen und Toleranzen ist für die wissenschaftliche Vergleichbarkeit unerlässlich.
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