Kontrast bezeichnet in der werkstoffkundlichen Mikroskopie den Helligkeits- oder Farbunterschied zwischen Bildbereichen, der eine Unterscheidung von Phasen, Gefügebestandteilen oder Defekten ermöglicht. Er ist keine direkte Materialeigenschaft, sondern entsteht aus der Wechselwirkung der Strahlung (Licht, Elektronen, Röntgenstrahlung) mit der Probe und der Detektionsstrategie.
Im optischen Mikroskop resultiert Kontrast vor allem aus Absorption, Streuung und Unterschieden im Brechungsindex. Spezielle Verfahren wie der Phasenkontrast oder der differenzielle Interferenzkontrast (DIC) wandeln Phasen- bzw. Gradienteninformationen in Intensitätsunterschiede um und erlauben so die Gefügekontrastierung auch in weitgehend transparenten oder schwach absorbierenden Proben.
In der Gefügeanalyse metallischer Werkstoffe beruhen Gefüge-Kontraste häufig auf selektiver chemischer oder elektrolytischer Ätzung. Dabei werden Phasen, Korngrenzen oder segregierte Bereiche unterschiedlich stark angegriffen, was zu charakteristischen Helligkeits- und Farbkontrasten führt. Die Kontrastierung von Korngrenzen ist essenziell für Korngrößenbestimmung und Texturanalyse.
In der bildgebenden Diagnostik und zunehmend auch in in‑situ-Materialuntersuchungen kommen Kontrastmittel (z. B. gadolinium-basierte Kontrastmittel in der MRT) zum Einsatz, um Dichte-, Zusammensetzungs- oder Porositätsunterschiede hervorzuheben. Analog dazu werden in der Werkstoffanalytik Kontrastierungsverfahren gezielt genutzt, um bestimmte Gefügemerkmale im Live‑Modus, etwa in in‑situ-Heizexperimenten, dynamisch zu verfolgen.
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