Dealloying (Entlegieren) bezeichnet die selektive Entfernung einer oder mehrerer Legierungskomponenten aus einer festen oder flüssigen Legierung. Der Prozess führt zu einer Änderung der chemischen Zusammensetzung und häufig zu einer markanten Umstrukturierung der Mikrostruktur bis hin zur Ausbildung poröser, oft bikontinuierlicher Netzwerke.
Treiber des Dealloying-Prozesses sind Unterschiede im chemischen Potential, in der elektrochemischen Löslichkeit oder in der Affinität zu einem zweiten Medium (z.B. Elektrolyt, Flüssigmetall oder Gasphase). Typisch wird die weniger edle Komponente bevorzugt gelöst, während die edlere Phase ein Gerüst aus Restlegierung bildet.
Man unterscheidet u.a. elektrochemische Dealloyierung (z.B. in sauren oder neutralen Elektrolyten unter Potenzialkontrolle), chemisches Entlegieren (ohne äußere Stromquelle), Flüssigmetall-Dealloying (selektive Auflösung in einem flüssigen Metall mit hoher Löslichkeit für eine Komponente) und Dampfphasen-Dealloying (Verdampfung flüchtiger Elemente). Diese Varianten unterscheiden sich in Kinetik, Temperaturbereich und resultierender Poren- und Phasenmorphologie.
Dealloying ist einerseits ein Degradationsmechanismus, etwa bei selektiver Korrosion von Cu-Zn- oder Ni-Legierungen. Andererseits wird der Delegierungseffekt gezielt genutzt, um nanoporöse Metalle mit hoher spezifischer Oberfläche für Katalyse, Sensorik, Energiespeicherung oder Strukturwerkstoffe mit maßgeschneiderten mechanischen Eigenschaften zu erzeugen. Die Prozesssteuerung erfordert ein präzises Verständnis von Diffusion, Oberflächenenergie, Phasendiagrammen und korrosions- bzw. lösungschemischen Grundlagen.
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