Debonding bezeichnet die vollständige oder partielle Ablösung einer zuvor haftfesten Grenzfläche, typischerweise in Klebverbindungen, Faserverbundwerkstoffen oder beschichteten Systemen. Es handelt sich um einen Vorgang der Grenzflächenablösung, bei dem adhäsive (Grenzfläche Substrat/Klebstoff) oder kohäsive (innerhalb des Klebstoffs oder Substrats) Versagensmechanismen ablaufen.
Aus werkstoffwissenschaftlicher Sicht ist Debonding ein energiegetriebener Prozess, der durch mechanische, thermische, chemische oder hygrothermische Beanspruchungen initiiert wird. Wichtige Kenngrößen sind die Grenzflächenzähigkeit, die kritische Energiefreisetzungsrate (z.B. GIc, GIIc) sowie lokale Spannungs- und Dehnungsfelder. Experimentell wird Debonding u.a. mittels Zug-/Scherversuchen, DCB-, ENF- oder Peel-Tests sowie in-situ Methoden (optische und Röntgen-Tomographie) charakterisiert.
Unterschieden wird zwischen unerwünschter Entbondung (z.B. Ermüdungsdebonding in Faserverbundlaminaten, Delaminationen, Klebstoffversagen in Leichtbauverbindungen) und gezielter Entklebung, bei der Entklebetechniken bewusst eingesetzt werden. Letztere spielen in „debonding-on-demand“-Konzepten für Recycling, Reparatur und Demontage eine zentrale Rolle, etwa durch thermisch oder chemisch aktivierbare Klebstoffsysteme.
Modellseitig werden Debonding-Mechanismen mit bruchmechanischen Ansätzen (Linear Elastic Fracture Mechanics, Cohesive Zone Models) und numerischen Methoden (FEM mit kohäsiven Kontakten) beschrieben. Die präzise Vorhersage von Debonding ist essenziell für die Auslegung zuverlässiger Fügeverbindungen und die Entwicklung recyclinggerechter Verbundsysteme.
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