DGM Aktuell
01.05.2003 (CEST)
DGM AKTUELL 2003, 5, No. 5

DGM-Tag in Erlangen - Erlangen, eine unserer werkstoffwissenschaftlichen Hochburgen in Deutschland und einer unserer bedeutendsten DGM-Standorte. Diese Feststellung stimmt auch für den diesjährigen Austragungsort in vorzüglicher Weise. Die DGM erweist ihren Standorten ihre Reverenz, indem sie dort in der Tradition der Hauptversammlung den DGM-Tag abhält, um diejenigen zu ehren, die sich um die Werkstoffkunde und um unsere Gesellschaft besonders verdient gemacht haben.

Anders als die bekannten ABC-Hochschulen Aachen, Berlin und Clausthal sowie die Bergakademie Freiberg hat Erlangen als Werkstoffstandort keine lange Tradition. Das Erlanger Institut für Werkstoffwissenschaften wurde erst 1966 gegründet, als Teil der Technischen Fakultät, die seinerzeit die einzige Fakultät an einer klassischen Universität in der Bundesrepublik war, die Ingenieure ausbildete. Umgekehrt boten die Technischen Hochschulen, bevor sie Technische Universitäten wurden, keine geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fächer an. Wer also als Ingenieurstudent die humanistisch geprägte Atmosphäre einer klassischen Universität, also ein ausgeglichenes Verhältnis von weiblichen und männlichen Studierenden, nicht missen wollte, musste entweder in Berlin oder München studieren, die beide Hochschulkategorien vereinten, oder eben im mittelfränkischen Erlangen.

Dass der Weltkonzern Siemens nach dem Krieg einen seiner beiden Firmensitze nach Erlangen verlegte, war sicher nicht von ungefähr. Generationen von Studierenden absolvierten hier ihr Industriepraktikum, und mancher, quasi auf der anderen Straßenseite, auch eine deutlich darüber hinausgehende Werkstudentenzeit.

Das Erlanger Institut für Werkstoffwissenschaften, das als einziges im deutschsprachigen Raum den Plural im Namen führt, stand von Anfang an für das Konzept einer modernen Materialwissenschaft und Werkstofftechnik. Werkstoffe maßschneidern auf der Grundlage eines strukturbezogenen Werkstoffverständnisses. Das war damals an den zahlreichen maschinenbaulich geprägten Werkstoffstandorten nicht selbstverständlich und tritt vielerorts erst heute als Paradigmenwechsel in Erscheinung.

Als einer der Ziehväter dieses Verständnisses unseres Fachgebietes und als Wegbereiter der Erlanger Entwicklung darf sicherlich Prof. Ilschner gelten, der in den Gründerjahren unermüdlich, auch in öffentlichen Vorträgen, auf das neue Studienfach und das naturwissenschaftliche Konzept hinwies. Sein Lehrstuhl „Allgemeine Werkstoffeigenschaften” stand am Anfang einer Reihe von heute insgesamt sieben Lehrstühlen. Bereits 1967 folgte der Lehrstuhl „Technologie der Metalle” unter Prof. Zwicker, 1968 der Lehrstuhl „Glas und Keramik” unter Prof. Oel. 1974 kamen die Lehrstühle „Korrosion und Oberflächentechnik” unter Prof. Kaesche sowie „Polymerwerkstoffe” unter Prof. Schwarzl hinzu, 1976 „Werkstoffe der Elektrotechnik” unter Prof. Weiß und schließlich 1989 „Mikrocharakterisierung” unter Prof. Strunk.

Damit deckt das Institut, und darin liegt seine Besonderheit, wie die Institutshomepage stolz betont, die gesamte Breite des Faches in Forschung und Lehre ab. Im nationalen wie internationalen Vergleich nimmt es eine herausragende Stellung ein.

Sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder, wir freuen uns sehr, dass wir mit dem DGM-Tag in Erlangen willkommen sind. Den Mitgliedern des Programmausschusses, Prof. Singer, Dipl.-Phys. Pschenitzka und Prof. Mughrabi, danken wir herzlich für ihr hervorragendes Engagement bei der Vorbereitung. Ich wünsche uns eine interessante Veranstaltung und freue mich auf ein Wiedersehen in Erlangen.

Ihr
Peter Paul Schepp

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