
„Der Airbus A380 wird nicht abheben, wenn er noch eine einzige Schraube aus Stahl enthält.“ Das hat man sicherlich als „geflügeltes“ Wort anzusehen, aber es zeigt, auf welche neuen Herausforderungen die Konstrukteure stoßen, wenn sie die extremen Vorgaben an spezifischer Festigkeit für diesen gigantischen Großraumflieger erfüllen wollen.
Gewiss, die wirklichen Herausforderungen werden in Strukturbereichen zu erfüllen sein, in denen vor allem Kohlenstofffaserverbundwerkstoffe zum Einsatz kommen werden. Aber auch Titan und seine Legierungen werden ein großes Thema sein. Wir freuen uns, dass wir dies derzeit ganz massiv zu spüren bekommen. Für Mitte nächsten Jahres hat die DGM die Ausrichtung der Welt-Titan-Tagung übernommen, die in einem vierjährigen Rhythmus zum zehnten Mal stattfinden wird.
Zu der gerade abgelaufenen Frist unseres Call for Papers sind mehr als 530 Beiträge aus 30 Ländern eingereicht worden. Das ist ein Rekord in der langjährigen Geschichte dieser Tagungsserie und lässt für die Teilnehmerzahl nur das Beste hoffen.
Langfristig koordiniert wird die Serie von einem internationalen Ausschuss mit Vertretern der wichtigsten Titan erzeugenden beziehungsweise verarbeitenden Länder: USA, UK, Russland, Ukraine, Japan, Deutschland, Frankreich und China. Deutschland wird durch die DGM vertreten, für die Prof. Lütjering von der TU Hamburg-Harburg Mitglied des Ausschusses ist. Er hat sich in einer mehrjährigen Vorlaufzeit unermüdlich dafür eingesetzt, dass die DGM im nächsten Jahr in Hamburg Ausrichter sein wird, nach St. Petersburg 1999, Birmingham 1995, San Diego 1992 und Cannes 1988.
Prof. Lütjering leitet auch den 18-köpfigen Programmausschuss, dem Vertreter namhafter deutscher Industrieunternehmen und Forschungsinstitute angehören (http://www.Ti-2003.dgm.de). 1984 fand die Tagung bereits einmal in Deutschland statt, und zwar in München. Damals war der Altmeister der Titanforschung, Prof. Zwicker aus Erlangen, Leiter der Tagung und sorgte bei über 300 Beiträgen für mehr als 600 Besucher.
Ausgangspunkt für die Erfolgsgeschichte des Werkstoffs Titan war sicherlich die Tatsache, dass er in den 1940er Jahren maßgeblich den Eintritt der Luftfahrt in das Jet-Zeitalter ermöglichte. Mit dem gewachsenen Einsatz in neueren Militärmaschinen und insbesondere im kommenden Großraumflugzeug A380 setzt der Werkstoff heute seinen Siegeszug in der Luftfahrt fort.
Darüber hinaus beginnt Titan sich auch in weiteren Märkten erfolgreich durchzusetzen: in der Medizintechnik, in der chemischen Industrie, im Off-Shore-Bereich, in der Energietechnik und vor allem im Automobilbereich. Zudem entdecken wir Titan zunehmend als Werkstoff im Profisport, etwa bei Fahrradrahmen und Golfschlägern, sowie im gehobenen Gebrauchsgüterbereich, beispielsweise bei Brillengestellen sowie Gehäusen für Mobiltelefone und Laptops.
Die eingereichten Beiträge spiegeln diese zunehmende Diversität wider. Erklärt dieser Hintergrund den überaus großen Zuspruch einer weltweit interessierten Titan-Community für unsere Tagung? Die ungünstige wirtschaftliche Konjunkturlage, die uns bei anderen Veranstaltungen derzeit zu schaffen macht, scheint dabei keine Rolle zu spielen.
Ist dies das Erfolgsrezept, das sich bei unseren jährlichen Breitbandveranstaltungen wie der Materials Week und der Euromat so schwierig umsetzen lässt? Ende 2003 werden wir bei der internationalen Magnesium-Tagung in Wolfsburg gleich noch einmal Gelegenheit haben, dieses Format zu testen. Ende Februar, nach Ablauf der Call-for-Papers-Frist, wissen wir mehr.
Ihr
Peter Paul Schepp
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