Quantifizierung bezeichnet die numerische Erfassung von Eigenschaften, Zuständen oder Anteilen eines Werkstoffs mit definierter Messunsicherheit. Im Gegensatz zur rein qualitativen Beschreibung steht bei der Quantifizierung die Ableitung reproduzierbarer, vergleichbarer Kennwerte im Vordergrund.
In der Werkstoffkunde umfasst Quantifizierung verschiedene Skalenebenen: Von der Gefüge-Quantifizierung (z.B. Korngrößenverteilungen, Phasenanteile, Porosität) über die Elementquantifizierung (z.B. Eisen‑, Fluor‑ oder Chlor‑36‑Gehalte) bis hin zur Wasserstoffquantifizierung, die für Wasserstoffversprödung kritisch ist. Auch die massenbasierte Quantifizierung von Legierungsbestandteilen oder Verunreinigungen ist zentral für die Prozess- und Qualitätskontrolle.
Methodisch kommen spektroskopische, mikroskopische, radiometrische, elektrochemische und mechanische Prüfverfahren zum Einsatz. Die duktiler Schadensquantifizierung etwa beruht auf der statistischen Erfassung von Hohlrauminitiierung und -wachstum, während für Biomarkerkonzentrationen in bioresorbierbaren Materialien häufig chromatographische oder massenspektrometrische Techniken genutzt werden.
Zentrale Aspekte sind Kalibrierung (Rückführung auf Normale), Detektions- und Bestimmungsgrenzen, räumliche und zeitliche Auflösung sowie die Unsicherheitsanalyse. Fortschritte in Bildanalyse, automatisierter Auswertung und Multiskalenmodellierung erhöhen die Präzision und ermöglichen, Quantifizierungsergebnisse direkt mit Mikrostrukturmodellen und Lebensdauervorhersagen zu koppeln.
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