Additive bezeichnen in der Werkstofftechnik niedermolekulare oder partikuläre Zusätze, die einem Grundwerkstoff in geringen Konzentrationen zugesetzt werden, um gezielt Eigenschaften zu modifizieren, ohne die Grundzusammensetzung im stöchiometrischen Sinn zu verändern. Sie unterscheiden sich damit von Legierungselementen oder Polymer-Hauptkomponenten.
Typische Beispiele sind Schmiermittelzusätze (Antiverschleiß-, Reibungsmodifikatoren, Korrosionsinhibitoren), Stabilisatoren in Polymeren (UV‑, Wärme‑ und Oxidationsstabilisatoren), Dispergierhilfen in Pulversystemen oder Kornfeinungsmittel in Metallschmelzen. Auf mikrostruktureller Ebene beeinflussen Additive unter anderem Keimbildung, Phasenumwandlungen, Grenzflächenenergie, Viskosität oder Benetzungsverhalten und damit direkt die Gebrauchseigenschaften wie Festigkeit, Zähigkeit, Reibung, Verschleiß und Korrosionsbeständigkeit.
Im Kontext der additiven Fertigung metallischer und polymerer Werkstoffe (z. B. Laser Powder Bed Fusion, Elektronenstrahl‑Pulverbettfusion, Binder Jetting, Lichtbogen‑basierte Verfahren) kommen Additive sowohl im Pulver als auch in Bindern und Prozesshilfsstoffen zum Einsatz. Dazu zählen Fließhilfsmittel und Antikohäsivmittel zur Einstellung der Rieselfähigkeit in Pulverbettverfahren, modifizierende Zusätze im Binder (Reaktivverdünner, Vernetzer, Photoinitiatoren) sowie Legierungs- bzw. Mikrostrukturmodifikatoren, die gezielt Gefüge (z. B. Ausscheidungshärtung, Kornfeinung) und Eigenspannungszustand beeinflussen.
Für die wissenschaftliche Charakterisierung von Additiven sind thermische Analysen, Oberflächen‑ und Grenzflächenuntersuchungen (z. B. XPS, ToF‑SIMS), Rheologie sowie in‑situ‑Diagnostik während des additiven Prozesses entscheidend. Da geringe Konzentrationsänderungen deutliche Wirkungsunterschiede hervorrufen können, sind exakte Dosierung, Homogenisierung und Alterungsstabilität der Additive für reproduzierbare Werkstoffeigenschaften und Prozessfenster kritisch.
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